Der Düsseldorfer Aufklärungsdienst zeigt Steffi Niederzolls Dokumentarfilm am Samstag im Metropol Kino. Eva Creutz führt kurz in den Film ein.
„Sieben Winter in Teheran“ in Düsseldorf: DA! erinnert an Jina Mahsa Amini
Woman Life Freedom an der Kiefernstraße
„Woman. Life. Freedom“ an der Kiefernstraße in Düsseldorf-Flingern, aufgenommen im September 2026. Vier Jahre nach dem Tod von Jina Mahsa Amini ist der Slogan der iranischen Protestbewegung weiterhin im Düsseldorfer Stadtbild präsent. Gesichter im Vordergrund wurden redaktionell anonymisiert. / Foto: Alexandra Scholz-Marcovich, NDOZ
2023 saß Reyhaneh Jabbaris Mutter Shole Pakravan bei der Vorführung in Köln im Saal. Viele weinten. Ich auch. Drei Jahre später zeigt der Düsseldorfer Aufklärungsdienst den Film erneut, in Erinnerung an Jina Mahsa Amini.
Ich habe „Sieben Winter in Teheran“ 2023 beim iranischen Filmfestival „Visions of Iran“ in Köln gesehen. Reyhaneh Jabbaris Mutter Shole Pakravan saß im Saal. Am Ende des Films weinten viele. Ich auch.
Manche Filme bleiben.
Drei Jahre später kommt Steffi Niederzolls Dokumentarfilm nach Düsseldorf. Der Düsseldorfer Aufklärungsdienst, kurz DA!, zeigt ihn am Samstag, 12. September, um 14 Uhr im Metropol Kino an der Brunnenstraße. Vor dem Film gibt Eva Creutz eine kurze Einführung.
Der DA! zeigt den Film ausdrücklich im Gedenken an Jina Mahsa Amini. Damit wird aus einer Filmvorführung auch eine Erinnerung daran, wie eng Reyhaneh Jabbaris Geschichte mit einem Kampf verbunden ist, der im Iran bis heute nicht beendet ist.
Sieben Jahre zwischen Verhaftung und Hinrichtung
Reyhaneh Jabbari war 19 Jahre alt, als sie 2007 zu einem Geschäftstreffen mit Morteza Abdolali Sarbandi ging. Nach ihrer Darstellung versuchte der Mann, sie zu vergewaltigen. Reyhaneh stach auf ihn ein. Sarbandi starb, Reyhaneh wurde noch am selben Tag verhaftet.
2009 wurde sie in Teheran zum Tode verurteilt. Ihre Familie kämpfte jahrelang gegen das Urteil, unterstützt von Menschenrechtsorganisationen und den Vereinten Nationen. Am 25. Oktober 2014 wurde Reyhaneh Jabbari hingerichtet.
Steffi Niederzoll rekonstruiert diese Jahre mit heimlich aufgenommenen Videos aus dem Familienarchiv, Briefen aus dem Gefängnis, Zeugenaussagen und weiteren Dokumenten. 2023 erhielt „Sieben Winter in Teheran“ bei der Berlinale den Kompass-Perspektive-Preis und den Friedensfilmpreis. 2024 gewann der Film beim Deutschen Filmpreis die Goldene Lola als bester Dokumentarfilm sowie eine weitere Lola für den besten Schnitt.
NDOZ hat den Film bereits 2023 ausführlich besprochen. Damals stand nach der Vorführung auch Shole Pakravan auf der Bühne und sprach über ihre Tochter, ihre Wut und ihren Kampf gegen die Hinrichtungen im Iran.
Weiterlesen:„Sieben Winter in Teheran“: Ein Film über Angst, Hoffnung, Emanzipation und Tod
Vier Jahre nach Jina Mahsa Amini
Der DA! widmet die Düsseldorfer Vorführung Jina Mahsa Amini. Die 22-jährige Kurdin aus dem Iran wurde im September 2022 von der iranischen Sittenpolizei festgenommen und starb wenige Tage später im Krankenhaus. Ihr Tod löste landesweite Proteste aus. „Woman, Life, Freedom“ wurde weit über den Iran hinaus zum Ruf einer Bewegung gegen Unterdrückung und für Selbstbestimmung.
Hinrichtungen gehen weiter
Die Geschichte des Films ist keine abgeschlossene Geschichte. Human Rights Watch und das Abdorrahman Boroumand Center berichteten am 10. September 2026 über eine neue Welle politisch motivierter Hinrichtungen im Iran.
Zwischen dem 18. März und Ende August seien nach grob unfairen Verfahren mindestens 59 Männer aufgrund politisch motivierter und vage formulierter Sicherheitsvorwürfe hingerichtet worden. Mindestens 29 von ihnen waren im Zusammenhang mit den Protesten von Dezember 2025 und Januar 2026 festgenommen worden. Mindestens drei standen nach Angaben der Organisationen im Zusammenhang mit den Protesten „Frau, Leben, Freiheit“ von 2022.
Gerade deshalb wirkt Reyhaneh Jabbaris Geschichte auch zwölf Jahre nach ihrer Hinrichtung nicht wie Vergangenheit.
„Woman. Life. Freedom“ in Düsseldorf
Auch in Düsseldorf begleitet der Protest gegen die Unterdrückung im Iran die Stadt seit 2022.
Am 29. Oktober 2022 bildeten rund 3.000 Menschen eine Solidaritätskette vom Hauptbahnhof über die Königsallee bis zur Rheinpromenade. Auf Schildern standen Sätze wie „Woman, Life, Freedom“ und „They kill us in your silence“. NDOZ war damals vor Ort.
Zum NDOZ-Bericht über die Solidaritätskette vom Oktober 2022 →
Wenige Wochen später dokumentierte NDOZ einen offenen Brief von Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Intellektuellen an die Bundesregierung. Darin forderten sie angesichts von Verhaftungen, Gewalt und drohenden Hinrichtungen ein entschiedeneres Vorgehen gegenüber dem iranischen Regime. Im Dezember folgte in Düsseldorf eine musikalische Solidaritätsaktion vor dem Rathaus.
Der Satz ist geblieben.
Das Foto oben ist am vergangenen Wochenende an der Kiefernstraße in Düsseldorf-Flingern entstanden. Auf einer Hauswand steht noch immer: „WOMAN. LIFE. FREEDOM“. Davor Fahrräder, Menschen, ein ganz normales Düsseldorfer Wochenende.
Vier Jahre nach Jina Mahsa Aminis Tod ist der Satz Teil des Stadtbildes geworden. Vielleicht ist das eine Form von Erinnerung: dass etwas sichtbar bleibt, auch wenn die täglichen Nachrichten längst weitergezogen sind.
Wer ist der Düsseldorfer Aufklärungsdienst?
Der Düsseldorfer Aufklärungsdienst e.V. arbeitet seit 2010 in Düsseldorf. Der Verein steht nach eigener Darstellung in der Tradition der philosophischen Aufklärung und beschäftigt sich unter anderem mit Humanismus, Wissenschaft, gesellschaftspolitischen Fragen sowie Religions- und Ideologiekritik.
Der Name entstand 2010 bei einem Gespräch zwischen Ricarda Hinz und Eva Creutz. Aus einem scherzhaften Satz wurde ein Verein, der heute Vorträge, Diskussionen, Aktionen, Kunstprojekte und Filmveranstaltungen organisiert. Die Arbeit wird ehrenamtlich getragen.
Eva Creutz ist Grafikerin und Mitglied im Vorstand des DA!. Sie moderiert regelmäßig Veranstaltungen des Vereins und gibt am Samstag auch die kurze Einführung zu „Sieben Winter in Teheran“.
Die Reihe „Ideologiekritik & Film“ nutzt Filme als Ausgangspunkt für ethische Fragen sowie für Religions-, Esoterik- und Ideologiekritik.
Bei diesem Film braucht es danach vermutlich keine lange Erklärung, warum er noch einmal gezeigt wird.
Reyhaneh Jabbaris Geschichte erklärt sehr viel selbst.



