Der Haushaltsentwurf für 2027 und 2028 steht. Was darin wirklich neu ist, steht nicht bei den Milliardenzahlen.

Der Düsseldorfer Sparkurs: Was der Doppelhaushalt 2027/2028 für die Stadt bedeutet

Oberbürgermeister Stephan Keller und Stadtkämmerin Dorothée Schneider bei der Vorstellung des Haushaltsplanentwurfs 2027/2028 im Düsseldorfer Rathaus
Haushaltsentwurf 2027/2028 im Rathaus

Oberbürgermeister Stephan Keller stellte den von Stadtkämmerin Dorothée Schneider aufgestellten Haushaltsplanentwurf 2027/2028 im Rat vor. / Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf / David Young

Ende 2025 lagen 416 Millionen Euro in der Ausgleichsrücklage. Ende 2026 ist sie leer.

Stand: 28. September 2026. Dieser Artikel wird bis zur Entscheidung des Rates fortlaufend aktualisiert.

Am 24. September 2026 hat Oberbürgermeister Stephan Keller im Rat den von Stadtkämmerin Dorothée Schneider aufgestellten Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2027 und 2028 eingebracht. Die Zahlen sind groß, und große Zahlen sagen wenig. Eine Folie aus der Präsentation der Kämmerin sagt mehr als alle Milliarden: Ende 2025 lag die Ausgleichsrücklage der Stadt bei 416,6 Millionen Euro. Ende 2026 steht dort eine Null.

Zwei Jahre, zwei Defizite

Für 2027 plant die Stadt mit Erträgen von 3,97 Milliarden Euro und Aufwendungen von 4,36 Milliarden Euro. Für 2028 stehen 4,04 Milliarden Euro Erträge gegen 4,44 Milliarden Euro Aufwendungen. Daraus ergeben sich Jahresfehlbeträge von 299,1 Millionen Euro und 314,7 Millionen Euro.

Diese beiden Zahlen sind das Ergebnis einer Rechenoperation, die man kennen sollte. Zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft zunächst eine Lücke von knapp 400 Millionen Euro pro Jahr. Erst ein veranschlagter globaler Minderaufwand von 85 beziehungsweise 86 Millionen Euro senkt sie planerisch auf die ausgewiesenen Werte. Keller hat das im Rat auch so benannt.

Der globale Minderaufwand ist keine Einsparung, sondern eine Annahme. Die Verwaltung geht davon aus, dass sie am Ende weniger ausgibt, als sie plant, weil Stellen unbesetzt bleiben und Vorhaben sich verzögern. Wie ernst es damit ist, zeigt das laufende Jahr: Der im Haushalt 2026 enthaltene globale Minderaufwand von 80 Millionen Euro wurde bereits mit einer Sperre belegt. Die Mittel werden nur bei unabweisbaren Bedarfen freigegeben.

Zeichnet sich im Vollzug ab, dass der Betrag nicht erreicht wird, kann die Stadtkämmerin Budgetmittel bis zur veranschlagten Höhe dauerhaft sperren. Der Entwurf hält ausdrücklich fest, dass eine solche Sperre keine haushaltswirtschaftliche Sperre nach § 25 KomHVO NRW darstellt, über die der Rat zu informieren wäre.

Die Rücklage ist weg

2023 war die Ausgleichsrücklage auf 702,2 Millionen Euro angewachsen. Ende 2025 lag sie noch bei 416,6 Millionen Euro. Für 2026 prognostiziert der Controllingbericht zum Stand 30. Juni ein Jahresergebnis von minus 472,9 Millionen Euro, also mehr als in beiden Planjahren. Damit ist das Polster aufgebraucht, und schon Ende 2026 muss die Stadt erstmals 56,3 Millionen Euro aus der allgemeinen Rücklage nehmen.

Danach geht es schnell. Nach Planstand liegt die Inanspruchnahme der allgemeinen Rücklage Ende 2027 bei 355,5 Millionen Euro und Ende 2028 bei 670,2 Millionen Euro.

Die Ausgleichsrücklage ist dafür da, in schlechten Jahren verbraucht zu werden. Die allgemeine Rücklage ist das bilanzielle Eigenkapital der Stadt. Die Verwaltung spricht in ihren Unterlagen deshalb vom Verzehr des Eigenkapitals.

Die Stadt verliert ein Stück Selbstbestimmung

Daraus folgt eine Konsequenz, die die Kämmerin in ihrer Rede ausdrücklich benannt hat. Weil kein ausgeglichener Haushalt mehr erreicht wird, muss der Doppelhaushalt 2027/2028 der Bezirksregierung zur Genehmigung vorgelegt werden. Schneider nennt das einen bedeutenden Wendepunkt innerhalb der finanziellen Selbstbestimmung.

Sie beschreibt auch, was daraus folgen kann. Die Aufsichtsbehörde könnte die Genehmigung mit Auflagen und Bedingungen verbinden, die nach ihrer Formulierung zu spürbaren Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger führen würden.

Keller ordnet die Lage historisch ein. Bereits mit dem Haushalt 2026 habe die Stadt einen Paradigmenwechsel vollzogen. Ungefähr ein Vierteljahrhundert lang habe man Politik als Verteilung des Zuwachses verstehen dürfen, jetzt gehe es um die Verteilung des „Weniger".

Die Steuerfrage, die zwei Antworten hat

An dieser Stelle sagen Oberbürgermeister und Kämmerei nicht dasselbe.

Keller ist eindeutig. Der Entwurf sieht keine Erhöhung der Gewerbesteuer vor, der wettbewerbsfähige Hebesatz sei ein Standortvorteil, und er richtete an den Rat einen ausdrücklichen Appell, der Versuchung zu widerstehen, an dieser Schraube zu drehen. Zugleich räumte er ein, dass Düsseldorf noch Potenziale habe, Einnahmen zu verbessern, ohne der Wirtschaft zu schaden. Über diese könne man diskutieren, allerdings erst nach einer ernsthaften Konsolidierung der Ausgabenseite.

Der Vorbericht der Kämmerei formuliert es offener. Dort steht, dass die Hebesätze für die kommunalen Steuern bislang unverändert sind und dass künftig eine genaue Prüfung erforderlich sein wird, ob diese Ertragspotentiale weiterhin unangetastet bleiben können. Zum Vergleich nennt das Dokument den Hebesatz der Grundsteuer B in Düsseldorf mit 374 Prozent und den Landesdurchschnitt mit 861 Prozent.

Dieser Vergleich braucht Kontext. Die 374 Prozent sind nicht das Ergebnis einer jahrzehntelangen Niedrigsteuerpolitik, sondern der Grundsteuerreform. Zum 1. Januar 2025 senkte die Stadt den lange konstanten Hebesatz von 440 auf den vom Landesfinanzministerium empfohlenen, angeblich aufkommensneutralen Wert von 374 Prozent. Nach Darstellung der Kämmerin war die Empfehlung nicht aufkommensneutral: Sie kostet die Stadt rund zehn Millionen Euro pro Jahr. Erhöht wird trotzdem nicht. Die Grundsteuer B bleibt im gesamten Planungszeitraum bei 374 Prozent, mit einer Ertragserwartung von 141,9 Millionen Euro jährlich.

Beschlossen ist also nichts. Aber die Verwaltung schreibt in ihr eigenes Haushaltsdokument, dass sie diesen Punkt prüfen wird. Die Grundsteuer B trifft nicht nur Eigentümerinnen und Eigentümer. Sie läuft über die Betriebskosten in die Miete.

Die Linie der Verwaltung

Schneider weist die Verantwortung nach außen. Die Defizite seien kein Produkt lokaler Verschwendung, sondern das Resultat einer strukturellen Unterfinanzierung der kommunalen Familie. Kostenexplosionen gebe es bei den gesetzlichen Aufgaben, nicht im freiwilligen Bereich.

Keller hat dazu konkrete Zahlen mitgebracht. Drei Hilfesysteme, deren Aufgaben der Bund definiert, die die Stadt aber allein finanziert: Hilfe zur Pflege mit 68,3 Millionen Euro, Eingliederungshilfe mit 56,4 Millionen Euro und Hilfe zur Erziehung mit 158,4 Millionen Euro. Zusammen 283 Millionen Euro, nach seiner Rechnung 95 Prozent des Defizits. Bei der Eingliederungshilfe stiegen die Aufwendungen seit 2021 um 70 Prozent.

Ein zweiter Adressat sitzt näher. Keller griff den Landschaftsverband Rheinland scharf an. Dessen Vorschlag für eine Umlageerhöhung würde den Düsseldorfer Haushalt mit bis zu 72 Millionen Euro jährlich zusätzlich belasten. Das nannte er inakzeptabel und appellierte an die Düsseldorfer Vertreter in der Landschaftsversammlung, nicht zuzustimmen.

Die Schulden wachsen mit

Was im Streit über Kürzungen leicht untergeht: Der Haushalt erwirtschaftet keine Überschüsse, aus denen Investitionen bezahlt werden könnten. Jeder investierte Euro ist derzeit ein Kredit. Keller hat das im Rat so gesagt.

Die Zahlen dazu stehen in der Rede der Kämmerin. Ende 2025 lagen die Investitionskredite bei 1.018,8 Millionen Euro, für 2026 wird ein Anstieg auf 1.482,3 Millionen Euro erwartet. Bis Ende 2028 steigt der Schuldenstand nach aktueller Planung auf rund 1,8 Milliarden Euro bei den Investitionskrediten und auf über 3,0 Milliarden Euro insgesamt. Hinzu kommen Liquiditätskredite von planerisch 929,0 Millionen Euro in 2027 und 1.286,9 Millionen Euro in 2028.

Am deutlichsten wird die Entwicklung beim Zinsaufwand. 2022 lag er bei 1,9 Millionen Euro. Für 2026 sind 63,8 Millionen Euro veranschlagt, für 2028 bereits 95,9 Millionen Euro, ab 2029 dauerhaft 107,4 Millionen Euro pro Jahr. Das ist Geld, über dessen Verwendung kein Rat mehr entscheidet.

Wo das Geld hingeht

Das Bruttoinvestitionsvolumen für 2027 bis 2031 beträgt 1.099,8 Millionen Euro. Rund 40 Prozent der Investitionen des Jahres 2027 fließen nach Angaben der Kämmerei in Schulen und Kitas, gefolgt von Verkehrsflächen und ÖPNV sowie dem Bereich Bauen und Wohnen.

Keller hat die Liste im Rat vorgelesen: 18 Schulen mit 203 Millionen Euro, zwei Kitas mit elf Millionen, fünf Sportmaßnahmen mit 30 Millionen, darunter der Neubau des Hallenbades Unterrath, Hochwasserschutz mit 35 Millionen, Feuerwachen mit 19 Millionen, Straßen mit 126 Millionen und Radwege mit 27 Millionen.

Ein Posten fällt daneben auf. Der Finanzmittelbedarf der Rheinbahn liegt bei 193 Millionen Euro in 2027 und 200 Millionen Euro in 2028. Dafür erhält die städtische Holding aus dem Kernhaushalt Zuschüsse von 109,8 und 191,0 Millionen Euro.

Was mit Kultur und Sozialem passiert

Hier war Kellers Rede deutlicher, als es die Pressemitteilung war. Der Rahmenvertrag mit der Liga Wohlfahrt bleibt erhalten. Die Rahmenverträge mit der freien Szene bleiben auf dem im März beschlossenen Niveau, das Fördervolumen für die freie Szene bleibt stabil, einschließlich der zugesagten Dynamisierung.

Begründet hat er das nicht mit Kulturpolitik, sondern mit Pragmatismus: Wo der Beitrag zur Haushaltssanierung minimal sei, solle man gut überlegen, ob der Schaden für das soziale oder kulturelle Netz nicht unverhältnismäßig wäre. Garantien für die Zukunft könne er in keinem Bereich geben.

An anderer Stelle wurde er ungeduldig. Manch einer protestiere bereits gegen Kürzungen, die noch gar nicht stattgefunden hätten, sagte er im Rat.

Wie unterschiedlich die Lage in einzelnen Häusern ist, zeigte dieselbe Sitzung. Für die Sanierung der Gesamtfassade der Tonhalle beschloss der Rat rund 34,9 Millionen Euro, Baubeginn im zweiten Quartal 2027, Bauzeit 38 Monate, Spielbetrieb läuft weiter. Beim Opernhaus an der Heinrich-Heine-Allee antwortete die Verwaltung auf eine Anfrage der Linken, eine umfassende Sanierung sei derzeit nicht beschlossen, weil ein Auftrag aus der Politik fehle. In die reine Aufrechterhaltung des Spielbetriebs fließen 2026 zwei Millionen Euro, danach 1,5 Millionen pro Jahr. Den Neubau der Oper hat die Stadt abgesagt.

Die Linke kritisiert das Fehlen einer Perspektive. Nach dem Aus für den Neubau höre man vom Oberbürgermeister nichts mehr über die Zukunft des Hauses, sagt Fraktionssprecherin Sigrid Lehmann. Der gewerkschaftspolitische Sprecher Matthias Poczatek verweist auf die Beschäftigten, die eine abgesagte Premiere, verschobene Aufführungen und ungesicherte Bühnenbereiche erlebt hätten.

Die Kritik der Opposition

Die SPD/Volt-Fraktion hat noch am Tag der Einbringung reagiert. Fraktionsvorsitzende Sabrina Proschmann wirft Keller vor, vor allem auf Bund und Land zu verweisen, ohne selbst Antworten zu geben. Offen bleibe, wie die Stadt ihre Einnahmen verbessern wolle, was sie schützen und wo sie kürzen werde. Der Rückgriff auf pauschale Minderausgaben sei eine schwache Leistung. Beim sozialen Netz, das im vergangenen Haushalt bereits Kürzungen hinnehmen musste, äußert die Fraktion besondere Sorge: Was einmal weg sei, werde nicht einfach wieder aufgebaut.

In ihrer Mitteilung nennt die Fraktion für 2028 ein Minus von fast 400 Millionen Euro. Der Wert ist nicht falsch. Er entspricht dem Jahresfehlbetrag vor Abzug des globalen Minderaufwands, den der Vorbericht mit 400,7 Millionen Euro ausweist. Nach Abzug des pauschalen Postens steht im Entwurf ein Jahresfehlbetrag von 314,7 Millionen Euro. Beide Zahlen beschreiben denselben Haushalt, an zwei verschiedenen Stellen der Rechnung.

Weitere Fraktionen hatten sich bis Redaktionsschluss nicht mit eigenen Mitteilungen zum Doppelhaushalt an die Redaktion gewandt. Ihre Haushaltsanträge folgen in den Beratungen der kommenden Wochen. Dieser Artikel wird dann ergänzt.

Was noch offen ist

Wo genau gespart wird, steht im Entwurf nicht in einer Liste, die man vorlesen könnte. Die Konsolidierung verteilt sich über Dezernate, Zuschüsse, Gebühren und verschobene Vorhaben. Sichtbar wird sie deshalb nacheinander: bei einem Zuschuss, der gekürzt wird, bei einem Beitrag, der steigt, bei einem Bauprojekt, das ein Jahr später beginnt.

Das entscheidende Dokument liegt noch nicht vor. Keller kündigte im Rat an, gemeinsam mit den Mehrheitsfraktionen in den kommenden Wochen ein Haushaltsstabilisierungskonzept vorzulegen, das zusammen mit dem Haushalt im Dezember beschlossen werden soll. Dabei will die Verwaltung auch auf externe Unterstützung zurückgreifen. In diesem Konzept, nicht im Entwurf, wird stehen, worauf Düsseldorf tatsächlich verzichtet.

Wie es weitergeht

24. September 2026 – Die Verwaltung bringt den Entwurf in den Rat ein.
Herbst 2026 – Beratung in den Fachausschüssen, Anträge der Fraktionen, Vorlage des Haushaltsstabilisierungskonzepts.
Dezember 2026 – Der Haushalt soll nach Ankündigung der Verwaltung gemeinsam mit dem Stabilisierungskonzept beschlossen werden.
Danach – Vorlage bei der Bezirksregierung zur Genehmigung.

Düsseldorf hat lange darüber diskutiert, was zusätzlich möglich ist. Die Frage der nächsten zwei Jahre ist eine andere. Sie lautet, worauf die Stadt verzichtet, und wer den Verzicht bemerkt.

 

Kurz & knapp

Haushaltsentwurf für 2027 und 2028, eingebracht am 24. September 2026. Jahresfehlbeträge von 299,1 und 314,7 Millionen Euro, jeweils nach Abzug eines globalen Minderaufwands von 85 beziehungsweise 86 Millionen Euro. Die Ausgleichsrücklage ist Ende 2026 aufgebraucht, die Inanspruchnahme der allgemeinen Rücklage erreicht Ende 2028 rund 670 Millionen Euro. Der Haushalt muss der Bezirksregierung zur Genehmigung vorgelegt werden. Investitionen von rund 1,10 Milliarden Euro für 2027 bis 2031, rund 40 Prozent davon 2027 in Schulen und Kitas. Die Hebesätze bleiben unverändert, der Vorbericht kündigt eine Prüfung an. Der Beschluss ist für Dezember 2026 vorgesehen.

Auch wichtig in Düsseldorf

Was der Haushalt im Alltag berührt

Der Doppelhaushalt entscheidet nicht nur über Zahlen. Er berührt Mieten, Kultur, Wirtschaft und die Frage, welche Stadt Düsseldorf in den kommenden Jahren sein will.

Quellen: Landeshauptstadt Düsseldorf: Pressedienst zur Einbringung der Haushaltssatzung 2027/2028, Haushaltsplanentwurf 2027/2028, Vorbericht zum Haushaltsplanentwurf 2027/2028, Reden von Oberbürgermeister Stephan Keller und Stadtkämmerin Dorothée Schneider in der Ratssitzung am 24. September 2026, Präsentation und Eckwerte zum Haushaltsplanentwurf 2027/2028; Pressedienst zur Sanierung der Tonhalle. Pressemitteilungen der SPD/Volt-Ratsfraktion und der Linken Ratsfraktion vom 24. September 2026, liegen der Redaktion vor.