Fünfzig Galerien, drei Tage, sechs NDOZ-Tipps

DC Open 2026 in Düsseldorf und Köln: Diese Ausstellungen lohnen sich

Ausstellungsansicht mit Fotografien von Bernd und Hilla Becher und Skulpturen von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff

„FormenSprache“ bei Ludorff: Fotografien von Bernd und Hilla Becher treffen auf Skulpturen von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff. / Foto:Ludorff

Große Namen, überraschende Dialoge und ein offenes Atelier: NDOZ hat das umfangreiche Programm gesichtet und sechs Stationen ausgewählt, die zeigen, wie unterschiedlich Gegenwartskunst entstehen und wirken kann.

Fünfzig Galerien in drei Tagen. Das klingt zunächst machbar, bis man die Karte öffnet. Wer alles sehen möchte, sieht am Ende womöglich mehr Straßenbahnen als Kunst. Die DC Open verlangt deshalb keine Vollständigkeit, sondern ein wenig Vorbereitung.

Vom 4. bis 6. September 2026 eröffnen Galerien in Düsseldorf und Köln gemeinsam die neue Kunstsaison. Die achtzehnte Ausgabe der Düsseldorf Cologne Open Galleries verbindet bekannte Häuser, jüngere Positionen und Ausstellungen, die eigens für dieses Wochenende konzipiert wurden.

NDOZ bildet das umfangreiche Programm nicht vollständig nach. Wir haben fünf Düsseldorfer Stationen und einen Extra-Tipp für Köln ausgewählt, die sich durch ihre künstlerische Bedeutung, ihren besonderen Ansatz oder die Form ihrer Präsentation unterscheiden.

Fotografie trifft Skulptur: „FormenSprache“ bei Ludorff

Bernd und Hilla Becher haben mit ihren systematisch angelegten Fotografien von Fördertürmen, Hochöfen und anderen Industriebauten die internationale Fotografie geprägt. Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff entwickelten parallel dazu Skulpturen, in denen Metall, Bewegung und Raum miteinander in Beziehung treten.

Die Galerie Ludorff bringt die beiden Künstlerpaare in „FormenSprache“ zusammen. Auf der einen Seite stehen fotografische Typologien und serielle Ordnungen, auf der anderen plastische Körper zwischen Linie, Volumen und räumlicher Spannung.

Das Verbindende liegt nicht nur in der Beschäftigung mit Struktur und Form. Beide Paare arbeiteten über Jahrzehnte gemeinsam. Vier Namen stehen hier nicht für vier voneinander getrennte Werkgruppen, sondern für zwei künstlerische Partnerschaften.

Ort und Termin: Ludorff, Königsallee 22. Eröffnung am 3. September von 18 bis 20 Uhr. Ausstellung vom 4. September bis 24. Oktober 2026.

Blau, Wasser und eine leicht verschobene Welt

Bei Sies + Höke zeigt der kanadische Künstler Marcel Dzama neue Zeichnungen und Gemälde. „Into the Blue“ führt in eine Welt, die gleichzeitig vertraut und eigentümlich entrückt wirkt.

Blau und Wasser bilden dabei nicht nur den Hintergrund. Sie stehen für Traum, Erinnerung und Verwandlung. Dzamas Figuren tanzen, treiben oder verschwinden in nächtlichen Szenen, in denen sich Wirklichkeit und Unterbewusstsein nicht zuverlässig voneinander trennen lassen.

Sein Bildpersonal aus kostümierten Menschen, Tieren und Mischwesen kann zunächst beinahe spielerisch erscheinen. Unter dieser Oberfläche liegen jedoch Unruhe, Melancholie und ein genauer Blick auf die Widersprüche der Gegenwart.

Werk von Marcel Dzama aus der Ausstellung Into the Blue
Marcel Dzama, „Into the Blue“, Sies + Höke / Foto: Andrea Rossetti

Ort und Termin: Sies + Höke, Poststraße 2–3. Eröffnung am 4. September von 18 bis 21 Uhr. Ausstellung bis 2. Oktober 2026.

Was geschieht mit Bildern, die längst im Umlauf sind?

Fabian Treiber und Michael Günzer beschäftigen sich bei Ruttkowski;68 mit Bildern, die bereits eine Geschichte besitzen. Günzer greift auf Fotografien und Inszenierungen aus Medien, Politik, Popkultur und sozialen Netzwerken zurück. Treiber arbeitet mit erinnerten Bildern, alltäglichen Räumen und dem kollektiven Bildgedächtnis.

In „Im Gerinne“ werden diese Vorlagen nicht einfach wiederholt. Beide Künstler verschieben und bearbeiten sie, bis neue Zusammenhänge entstehen. Günzer setzt öffentliche Figuren in fragile oder absurde Situationen. Treiber konstruiert Räume, deren Perspektive eher der Erinnerung als den Regeln der Architektur folgt.

So entsteht ein Dialog über die Frage, wie Bilder Bedeutung erhalten und wie zuverlässig diese Bedeutung eigentlich ist. Eine kleine Frage für ein Wochenende, an dem sehr viele Bilder gleichzeitig um Aufmerksamkeit bitten.

Ort und Termin: Ruttkowski;68, Grabbeplatz 2. Eröffnung am 4. September von 18 bis 21 Uhr. Ausstellung vom 5. September bis 25. Oktober 2026.

Zwei Künstler teilen sich das Bild

In der Petra Rinck Galerie zeigen Johannes Bendzulla und Andreas Breunig gemeinsam entwickelte Arbeiten. Der Titel „Bendzulla x Breunig: BILDER“ bleibt angenehm direkt. Er verspricht keine fertige Deutung, sondern bezeichnet zunächst das, was tatsächlich im Raum hängt.

Interessant ist die Zusammenarbeit selbst. Zwei eigenständige künstlerische Positionen reagieren aufeinander, greifen Gedanken des anderen auf und müssen Entscheidungen über eine gemeinsame Fläche treffen. Die Frage, welcher Anteil von wem stammt, verliert dabei an Bedeutung.

Gerade innerhalb eines Wochenendes voller Einzelausstellungen setzt diese gemeinsame Arbeitsweise einen eigenen Akzent. Sie zeigt das Bild nicht nur als Ergebnis einer Handschrift, sondern als Ort der Auseinandersetzung.

Flyermotiv zur Ausstellung Bendzulla x Breunig: BILDER in der Petra Rinck Galerie
Johannes Bendzulla und Andreas Breunig zeigen gemeinsam entwickelte Arbeiten in der Petra Rinck Galerie. / Flyer: Petra Rinck Galerie

Ort und Termin: Petra Rinck Galerie, Birkenstraße 45. Eröffnung am 4. September von 18 bis 21 Uhr. Ausstellung bis 24. Oktober 2026.

Ein Atelier, bevor alles fertig aussieht

Die RizzutoGallery verlässt für „Two Artists, One Studio“ vorübergehend das klassische Ausstellungsformat. Mattia Barbieri und Metin Çelik arbeiten während der DC Open gemeinsam in den Räumen an der Ackerstraße.

Zu sehen sind nicht nur fertige Werke, sondern auch Skizzen, Materialien, Werkzeuge und Arbeiten im Entstehen. Besucherinnen und Besucher können beobachten, wie Entscheidungen getroffen, verworfen oder verändert werden. Also genau jenen Teil der Kunstproduktion, der normalerweise verschwunden ist, bevor eine Ausstellung eröffnet.

Barbieri verbindet Malerei, Zeichnung und Skulptur mit Motiven aus Kunstgeschichte und Gegenwartskultur. Çelik entwickelt mit dem Bleistift detailreiche Bildwelten zwischen Natur, Anatomie, Erinnerung und Vorstellung.

Beide behalten ihre eigene Arbeitsweise. Geteilt werden Raum, Zeit und der Blick auf den Prozess. Wer während des Wochenendes mehrmals vorbeikommt, kann deshalb eine teilweise veränderte Situation erleben.

Ort und Termin: RizzutoGallery, Ackerstraße 34. Freitag von 18 bis 21 Uhr, Samstag von 11 bis 19 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Die Arbeiten bleiben bis 24. Oktober 2026 zu sehen.

Extra-Tipp Köln: Louise Bourgeois

Für Louise Bourgeois lohnt bei dieser DC Open auch der Weg nach Köln. Die Galerie Karsten Greve zeigt eine umfassende Einzelausstellung mit rund fünfzig grafischen und skulpturalen Arbeiten aus den Jahren 1947 bis 2008.

Bourgeois bewegte sich zwischen Skulptur, Installation, Zeichnung, Malerei und Druckgrafik. Persönliche Erfahrungen verband sie mit grundlegenden Fragen nach Identität, Körper, Begehren, Verlust und menschlichen Beziehungen. Ihre Arbeiten erzählen dabei keine private Geschichte mit eindeutiger Auflösung. Sie verwandeln Erinnerung in Formen, die offen und manchmal beunruhigend bleiben.

Aquarell Untitled von Louise Bourgeois aus dem Jahr 2004
Louise Bourgeois, „Untitled“, 2004, Aquarell auf Papier, Detail / Courtesy Galerie Karsten Greve, Köln | Paris | St. Moritz

Die Präsentation umfasst mehr als sechs Jahrzehnte ihres Schaffens und stellt Arbeiten auf Papier den Skulpturen gegenüber. Sie setzt zugleich die langjährige Verbindung zwischen Louise Bourgeois und Karsten Greve fort, die 1990 mit ihrer ersten Einzelausstellung in der Kölner Galerie begann.

Warum der Extra-Tipp? Hier wird nicht nur ein berühmter Name ins Programm gestellt. Der zeitliche Umfang erlaubt einen seltenen Blick auf die Entwicklung einer Künstlerin, deren Werk bis heute nachwirkt.

Ort und Termin: Galerie Karsten Greve, Drususgasse 1–5, Köln. Eröffnung am 4. September von 18 bis 21 Uhr. Ausstellung bis 7. November 2026.

Wie viel DC Open passt in ein Wochenende?

Die sechs Tipps müssen nicht in drei Tagen abgearbeitet werden. Ludorff, Sies + Höke und Ruttkowski;68 lassen sich zu einer Runde durch die Düsseldorfer Innenstadt verbinden. Petra Rinck und die RizzutoGallery bilden eine kleinere Route durch Flingern.

Louise Bourgeois bleibt unser Extra-Tipp für Köln. Wer nicht während des Eröffnungswochenendes über den Rhein fahren möchte, hat dafür bis zum 7. November Zeit. So bleibt die Auswahl überschaubar, ohne die DC Open auf Düsseldorf oder einen einzelnen Stadtteil zu reduzieren.

Und wer nach sechs Ausstellungen noch aufnahmefähig ist, findet im offiziellen Programm genügend Möglichkeiten, den guten Vorsatz wieder zu gefährden.

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