„Der Zauberberg“ - Premiere im Schauspielhaus 16. März

Der Welt durchaus nicht abhanden gekommen – zauberhafter „Zauberberg“ von Schauspiel-Studierenden

Von Jo Achim Geschke

Zauberberg D Haus

„Der Zauberberg“, v.l. Gesa Schermuly, Nils David Bannert, Caroline Cousin, hinten Moritz Klaus, Jakob Zacharias Eckstein / Foto © Thomas Rabsch, D‘Haus

Der Zauberberg? 1000 Seiten Thomas Mann auf der Bühne? Ja geht denn das? Mit den Studierenden der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig, die hier im Schauspielstudio Düsseldorf zwei Jahre ihrer Ausbildung absolvieren, geht das, ganz hervorragend sogar. Es ist ein Zauberberg voller Ironie und Witz und gelungenen Anspielungen.

Mit dem »Zauberberg«, inszeniert vom hiesigen  Schauspieler, Regisseur und Ensemblemitglied Wolfgang Michalek beenden die Studierenden ihre Ausbildung. (Das Schauspielstudio am D’haus wird von Dramaturgin Janine Ortiz und Wolfgang Michalek gemeinsam geleitet.)

Thomas Mann schrieb den „Zauberberg“ vor 1924, aber er spielt in den Jahren 1907 bis 1914 in einem Sanatorium in Davos. Der jungen „Hans Castorp“  ( Blanka Winkler) kommt in das Sanatorium und will nur sieben Tage, sieben Wochen bleiben – es werden sieben Jahre, bis 1914.

Die Entwicklung bis hin zum Ausbruch des ersten Weltkriegs, den Thomas Mann in diesem  andersartigen, ironischen Bild des Bildungsroman des Deutschen Bügertums vorzeichnet, werden in der Inszenierung auch dank hervorragender Schauspieler:innen deutlich. So beeindruckt zum Beispiel die sehr präsente Caroline Cousin als „Ellen Brand“ von Beginn an, Stella Maria Köb zeigt nuancenreich eine Fremdworte-verwechselnde „Emerentia Stöhr“, und  Moritz Klaus bringt als brüllender „Leo Naphta“ ausgezeichnet die Entwicklung in der Weimarer Republik zum Ausdruck, die von Intellektuellen feindlichen Kaisertreuen zu den Reaktionären und Vorbereitern der Nazis reicht. Gesa Schermuly als „Settembrini“ verdeutlicht die intellektuellen, philosophischen Auseinandersetzungen mit Castorp.

Die Inszenierung gewinnt auch durch die hervorragende Choreographie von Bridget Petzold. Die Studierenden präsentieren  in dem gelungenen, grau und kühl gehaltenen Bühnenbild von Susanne Hoffmann eine Ensembleleistung, die in Gänze mitreißen kann.

Die Insassen des Sanatoriums lassen in den Liegestühlen die Beine fliegen, und schon ist der CanCan aus Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt präsent, der auch im Roman erklingt. Die Musikauswahl mit alten Aufnahmen aus der Swing-Ära unterstreicht die Inszenierung.

Langer langer, verdienter  Jubel und Applaus, danach verlas Caroline Cousin mit allen Darsteller:innen auf der Bühne eine Solidaritätsadresse zur Hilfe für die Ukrainer:innen, die vor dem furchtbaren Krieg flüchten mussten.

Ich empfehle wie immer das ausgezeichnete Programmheft.

Weitere Vorstellungen und Kartenbestellungen unter www.dhaus.de