Die Lust der Töchter und deren Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung bringt das System Bernada Albas in ihrem Haus buchstäblich zum Einsturz. Bernarda (Frederike Wagner) hat nach dem Tod ihres Mannes eine rigorose Unterdrückung der Töchter installiert. Selbst gegenüber ihrer Haushälterin Poncia (phantastisch Claudia Hübbecker), die 40 Jahre bei ihr arbeitet und ihre Töchter mit großzog, hat sie keinen Respekt, verunglimpft sie. Die fünf Töchter (die allesamt ausgezeichnet spielen) stecken in kurzen grünen Rüschenröckchen, schlafen in idyllisch rosaroten Bettchen – wenn sie sich nicht gerade die baumwollenen Schießerhemdchen vom Leib reißen (Bühne Pia Maria Mackert, Kostüme Victoria Behr ). Es gibt Gefühle, die lassen sich nicht verdrängen.
Ohrfeigen und Folter
Die erste, die gegen Bernardas Diktatur rebelliert, ist die anscheinend demente Oma, (hinreißend Esther Hausmann) mit ihrer Lebenserfahrung, die schließlich sogar auf dem Hof vor dem Haus herumtanzt.
Die Lust auf einen Mann bei den Töchtern versucht Bernarda allerdings mit rabiaten Ohrfeigen und sogar Folter zu unterdrücken, spätestens seit 1900 ist bekannt, dass das misslingt.
Unterdrückung bringt Schmerz
Die älteste Tochter Angustias (Kotti Yun) ist also dem einzigen Mann im Stück, Pepe, versprochen. Aber Adela (Paulina Alpen) ist ebenfalls heftig in Pepe verleibt. Und der bereits Verlobte, ganz Mann von Damals, ist Liebhaber von Adela. Schmerz und Schlimmeres bei den Töchtern ist vorgegeben. Bernardas Unterdrückung bringt nichts.
Bernardas Regime mit der Forderung nach Gehorsam ist brüchig, endet schließlich im Chaos und im Freitod einer der Töchter. Denn ein diktatorisches System der Herrschaft findet im menschlichen Willen nach Leben und Freiheit auch hier seinen Untergang.
Und heute?
Müssen wir nicht die Begriffe Freiheit und Sicherheit gerade heute hinterfragen? Dazu das lesenswerte Programmheft mit einem Text der Dramaturgin Natalja Starosta, welcher den Begriff des Gehorsams hinterfragt. Die Diskussionen um Bundeswehr, Wehrdienst und Rüstung grüßen aus der Jetztzeit herüber.
Am Ende bleibt von Bernadas Tyrannei nur eine Ruine und viel Leid zurück.
Langer langer und verdienter Jubel für das Ensemble, bei dem zwei Schauspielschüler*innen mit auftreten, und das Team der Regie.
Leben und Tod Lorcas
Lorca, der unter anderem mit Salvador Dalí und Pablo Neuda befreundet war, wurde 1898 in der Provinz Granada in einem gut situierten Elternhaus geboren. Er gilt als einer der Erneuerer des spanischen Theaters. 1936, als er gerade sein Stück „Bernarda Albas Haus“ beendet hatte, wurde Lorca beim Putsch der Faschisten unter Franco im August 1936 verhaftet. Nach erst 2017 bekannten Unterlagen soll er als „Sozialist“, „Homosexueller“ und „Freimaurer“ am Rand einer Straße erschossen worden sein und dort auch direkt begraben.
Weitere Termine und Infos unter
https://www.dhaus.de/programm/a-z/bernarda-albas-haus/
Besetzung
Bernarda Alba: Friederike Wagner
Maria Josefa: Esther Hausmann
Angustias: Kotti Yun
Magdalena: Anne Rietmeijer
Amelia: Alisa Lien Hrudnik
Martirio: Amanda Babaei Vieira
Adela: Paulina Alpen
La Poncia: Claudia Hübbecker
Pepe: Maurice Schnieper
Hexe: Alexandra Peschke
Regie Lucia Bihler
Bühne Pia Maria Mackert
Kostüm Victoria Behr
Komposition und Sounddesign Fabian Kalker
Mitarbeit Komposition und Sounddesign Jacob Suske
Choreografie Björn Leese
Licht Christian Schmidt
Dramaturgie Natalja Starosta
Dauer 1 Stunde, 45 Minuten | keine Pause



