„Bernarda Albas Haus“ von Regisseurin Lucia Bihler, Premiere

García Lorcas Stück „Bernada Albas Haus“ von Alice Birch mit acht Frauen

Von Jo Achim Geschke |

Bernarda Albas Haus

Bernarda Albas Haus Regie Lucia Bihler, Ensemble, nach Federico García Lorca / Foto © Matthias Horn D Haus

Es ist, schrieb der Spanier García Lorca, eine „Tragödie von den Frauen in den Dörfern Spaniens“, der unterdrückten Frauen, geschrieben 1936, als gerade die Faschisten unter General Franco die Macht übernahmen. Regisseurin Lucia Bihler hat das Stück in der Einrichtung von Alice Birch zu einem Abbild von Tyrannei und weiblicher Freiheit gemacht. Bernarda will ihre fünf Töchter vor allem bewahren, und sperrt sie ein. Da sie aber eine von ihnen, wegen der gesellschaftlichen Etikette – man tut das so – einem Mann verspricht, bringt sie ihr eigenes System ins Wanken.

Die Lust der Töchter und deren Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung bringt das System Bernada Albas in ihrem Haus buchstäblich zum Einsturz. Bernarda (Frederike Wagner) hat nach dem Tod ihres Mannes eine rigorose Unterdrückung der Töchter installiert. Selbst gegenüber ihrer Haushälterin Poncia (phantastisch Claudia Hübbecker), die 40 Jahre bei ihr arbeitet und ihre Töchter mit großzog, hat sie keinen Respekt, verunglimpft sie. Die fünf Töchter (die allesamt ausgezeichnet spielen) stecken in kurzen grünen Rüschenröckchen, schlafen in idyllisch rosaroten Bettchen – wenn sie sich nicht gerade die baumwollenen Schießerhemdchen vom Leib reißen (Bühne Pia Maria Mackert, Kostüme Victoria Behr ). Es gibt Gefühle, die lassen sich nicht verdrängen.

Ohrfeigen und Folter

Die erste, die gegen Bernardas Diktatur rebelliert, ist die anscheinend demente  Oma, (hinreißend Esther Hausmann) mit ihrer Lebenserfahrung, die schließlich sogar auf dem Hof vor dem Haus herumtanzt.

Die Lust auf einen Mann bei den Töchtern versucht Bernarda allerdings mit rabiaten Ohrfeigen und sogar Folter zu unterdrücken, spätestens seit 1900 ist bekannt, dass das misslingt.

Unterdrückung bringt Schmerz

Die älteste Tochter Angustias (Kotti Yun) ist also dem einzigen Mann im Stück, Pepe, versprochen. Aber Adela (Paulina Alpen) ist ebenfalls heftig in Pepe verleibt. Und der bereits Verlobte, ganz Mann von Damals, ist Liebhaber von Adela. Schmerz und Schlimmeres bei den Töchtern ist vorgegeben. Bernardas Unterdrückung bringt nichts.

Bernardas Regime mit der Forderung nach Gehorsam ist brüchig, endet schließlich im Chaos und im Freitod einer der Töchter. Denn ein diktatorisches System der Herrschaft findet im menschlichen Willen nach Leben und Freiheit auch hier seinen Untergang.

Und heute?

Müssen wir nicht die Begriffe Freiheit und Sicherheit gerade heute hinterfragen? Dazu das lesenswerte Programmheft mit einem Text der Dramaturgin Natalja Starosta, welcher den Begriff des Gehorsams hinterfragt. Die Diskussionen um Bundeswehr, Wehrdienst und Rüstung grüßen aus der Jetztzeit herüber.

Am Ende bleibt von Bernadas Tyrannei nur eine Ruine und viel Leid  zurück.

Langer langer und verdienter Jubel für das Ensemble, bei dem zwei Schauspielschüler*innen mit auftreten, und das Team der Regie.

Leben und Tod Lorcas

Lorca, der unter anderem mit Salvador Dalí und Pablo Neuda befreundet war, wurde 1898 in der Provinz Granada in einem gut situierten Elternhaus geboren. Er gilt als einer der Erneuerer des spanischen Theaters. 1936, als er gerade sein Stück „Bernarda Albas Haus“ beendet hatte, wurde Lorca beim Putsch der Faschisten unter Franco im August 1936 verhaftet. Nach erst 2017 bekannten Unterlagen soll er als „Sozialist“, „Homosexueller“ und „Freimaurer“ am Rand einer Straße erschossen worden sein und dort auch direkt begraben.

Weitere Termine und Infos unter

https://www.dhaus.de/programm/a-z/bernarda-albas-haus/

Besetzung

Bernarda Alba: Friederike Wagner

Maria Josefa: Esther Hausmann

Angustias: Kotti Yun

Magdalena: Anne Rietmeijer

Amelia: Alisa Lien Hrudnik

Martirio: Amanda Babaei Vieira

Adela: Paulina Alpen

La Poncia: Claudia Hübbecker

Pepe: Maurice Schnieper

Hexe: Alexandra Peschke

Regie Lucia Bihler

Bühne Pia Maria Mackert

Kostüm Victoria Behr

Komposition und Sounddesign Fabian Kalker

Mitarbeit Komposition und Sounddesign Jacob Suske

Choreografie Björn Leese

Licht Christian Schmidt

Dramaturgie Natalja Starosta

Dauer 1 Stunde, 45 Minuten | keine Pause