„Beneath the Surface, Beyond the Trees“ verbindet Kunst, Natur und einen Ort, den die Öffentlichkeit normalerweise nicht betreten darf. Klaus von Jackelmann hat die Ausstellung für NDOZ fotografiert.

Kunst am Suitbertus-See: Ein verborgener Ort öffnet sich

Von Alexandra Scholz-Marcovich |

Violette transparente Skulptur von Aljoscha auf dem Suitbertus-See in Düsseldorf-Kaiserswerth; im Hintergrund schwimmen weiße Körper der Installation BYCATCH vor dem bewaldeten Ufer
Aljoscha: Premeditatio Malorum auf dem Suitbertus-See

Aljoschas transparente Skulptur Premeditatio Malorum erhebt sich aus dem Suitbertus-See. Im Hintergrund sind die weißen Körper der Installation BYCATCH zu sehen. / Foto: Klaus von Jackelmann, NDOZ

Ein See, der sonst verschlossen bleibt. Ein Kanu, schwimmende Kunst und ein stiller Ort mitten im Düsseldorfer Sommer: Bis 9. August öffnet die Kunsthalle den Suitbertus-See in Kaiserswerth.

Auf der Wasseroberfläche erhebt sich eine violette, transparente Form. Sie erinnert an eine Koralle, eine Pflanze oder ein Lebewesen, für das es noch keinen Namen gibt. Dahinter treiben weiße Körper auf dem See. Dazwischen liegen grüne Netze. Menschen bewegen sich vorsichtig über die schwankende Fläche.

Die Arbeiten stehen nicht in einem Museumssaal, sondern zwischen Wasser, Ufer und Bäumen. Die Ausstellung Beneath the Surface, Beyond the Trees findet am Suitbertus-See in Kaiserswerth statt. Der alte Baggersee wird seit 1970 vom Sport-Angler-Club Düsseldorf-Kaiserswerth 1909 gepachtet und zum Angeln genutzt. Normalerweise ist das Gelände nicht öffentlich zugänglich. Für die Ausstellung wird es bis zum 9. August vorübergehend geöffnet.

Die erste Begegnung kommt vom Wasser

Fotograf Klaus von Jackelmann war für NDOZ am See. Sein stärkster Eindruck entstand nicht am Eingang und auch nicht vor einer einzelnen Arbeit. Es war die Überfahrt.

„Was mich am meisten überrascht hat, war tatsächlich die Überfahrt mit einem Kanu auf die andere Seite des Sees. Und die Kunst vom Wasser aus erst einmal zu erblicken.“

Sein Foto hält diesen Moment fest. Im Vordergrund treibt einer der weißen Körper von BYCATCH. Dahinter gleitet ein Kanu über das Wasser. Der See ist hier nicht bloß der Ort, an dem Kunst aufgestellt wurde. Er bestimmt, wie man die Arbeiten erreicht und aus welcher Perspektive man sie sieht.

Vom Ufer aus erscheint eine Skulptur als festes Objekt. Im Kanu verändern sich Abstand, Blickwinkel und Licht mit jedem Meter. Die Ausstellung nutzt genau diese unterschiedlichen Ebenen: die bewegte Wasseroberfläche, den Übergang zum Ufer und die Vegetation rund um den See.

Luft statt Beton

Bei BYCATCH von Daniel Hölzl und Abie Franklin bestehen die großen weißen Tetrapoden nicht aus Beton, sondern aus Luft. Grüne Netze verbinden die aufblasbaren Körper miteinander.

Die Formen erinnern an jene schweren Wellenbrecher, die seit den 1950er-Jahren zum Schutz von Küsten und Ufern eingesetzt werden. Die Arbeit fragt nach den Folgen solcher Eingriffe. Gleichzeitig wird aus den normalerweise massiven und abgrenzenden Elementen eine Fläche, die Menschen betreten können. Die Installation darf auf eigene Gefahr genutzt werden.

Auf den Fotos sitzen Besucherinnen und Besucher zwischen den Luftkörpern, bewegen sich über die Netze oder sprechen miteinander.

Der Titel BYCATCH stammt aus der Fischerei und bedeutet Beifang. Die Ausstellungsbroschüre verweist damit auf Tiere, die unbeabsichtigt in Netze geraten, und auf ein grundsätzliches Problem: Eine vermeintlich schnelle Lösung kann unerwünschte Folgen haben.

Ein Wesen, das sich mit dem Wetter verändert

Premeditatio Malorum von Aljoscha wurde für die Ausstellung am Suitbertus-See geschaffen. Die Skulptur besteht aus Acrylglas auf einem Metallgerüst und erhebt sich direkt aus dem Wasser.

Aljoscha bezeichnet seinen künstlerischen Ansatz als Bioismus oder Biofuturismus. Seine transparenten Formen orientieren sich an organischen Strukturen und erinnern unter anderem an Korallen oder mikroskopisch kleine Lebensformen.

Die Aufnahmen zeigen, wie unterschiedlich dieselbe Arbeit erscheinen kann. Zwischen Blättern und Ästen wirkt sie hellblau und beinahe körperlos. Auf dem offenen Wasser ist sie violett und deutlich präsenter.

Je nach Standpunkt, Licht und Wetter verändert sich ihre Wirkung.

Eine Vereinshütte wird weitergewebt

Etwas abseits des Wassers steht eine kleine Hütte, die der Angelverein für Versammlungen und im Winter gelegentlich als Unterschlupf nutzt.

Für La casita hat Sofía Magdits Espinoza das Gebäude mit Drahtgittern, Seilen, Holz, Farbe und recycelten Stoffen bearbeitet. Die Arbeit entstand gemeinsam mit Uğur Kepenek, Ivonne Sheen Mogollón und Hyunmo Yang.

Die braunen Fasern greifen die Farben des Bodens und der Bäume auf. Dazwischen erscheinen blaue, violette, orangefarbene und neongelbe Flächen.

Die ursprüngliche Hütte bleibt dabei sichtbar. Das Drahtgitter, die Holzwand und die Öffnungen des Gebäudes werden nicht verdeckt, sondern in die neue Hülle einbezogen.

Auch rund um die Hütte befinden sich kleinere gewebte Arbeiten. Sie fallen erst auf, wenn man näher herangeht.

„It was hard to get here“

Am Ufer steht eine tiefblaue Bank. In weißer Schrift ist darauf zu lesen:

It was hard to get here. Rest here if you agree.

Die Arbeit gehört zu Finnegan Shannons Reihe Do you want us here or not. Shannon beschäftigt sich mit Behinderung, Mobilität und Barrieren im öffentlichen Raum. Ausgangspunkt ist die eigene Erfahrung mit Zerebralparese. Die Bänke sind Kunstwerke, aber zugleich tatsächliche Sitzgelegenheiten.

Eine zweite Bank trägt den Satz:

I’m tired. Rest here if you agree.

Damit wird eine praktische Frage zum Teil der Ausstellung: Wo können Menschen sitzen, die nicht lange stehen oder weite Wege ohne Pause zurücklegen können? Und wer wird bei der Planung eines Kulturortes von Anfang an mitgedacht?

Die Sätze sind einfach. Ihre Bedeutung nicht.

Die Kunsthalle verlässt den Grabbeplatz

Die Ausstellung ist Teil der Reihe Kunsthalle unterwegs. Die Kunsthalle realisiert dabei gemeinsam mit lokalen Partnerinnen und Partnern sowie internationalen Künstlerinnen und Künstlern Projekte an unterschiedlichen Orten im Düsseldorfer Stadtraum. Dazu gehören Ausstellungen, Performances, Konzerte und weitere Formate.

Am Suitbertus-See wird das Prinzip besonders deutlich. Ein Gelände, das sonst nur der Angelverein nutzt, öffnet sich für einige Wochen. Die Hütte, die Wege, das Wasser und die Bäume waren bereits da. Neu ist, wie sie durch die Arbeiten wahrgenommen werden.

Ein stiller Ort im Düsseldorfer Sommer

Während auf den Oberkasseler Rheinwiesen die Rheinkirmes läuft, liegt der Suitbertus-See ruhig zwischen den Bäumen.

 

Die Fotos zeigen Menschen, die sich Zeit nehmen. Auf einer Bank, am Rand der Hütte, zwischen den Netzen oder im Kanu auf dem Weg zur anderen Seite.

Auf dem letzten Bild stehen zwei Besucher am Ufer. Vor ihnen die violette Skulptur, dahinter Wasser und Bäume.

Der Blick bleibt hängen.

Kurz & knapp

Ausstellung
Kunsthalle unterwegs: Beneath the Surface, Beyond the Trees

Mit
Aljoscha, Daniel Hölzl und Abie Franklin, Sofía Magdits Espinoza, Finnegan Shannon und Sophie Utikal

Laufzeit
Bis Sonntag, 9. August 2026

Öffnungszeiten
Täglich von 12 bis 19 Uhr

Eintritt
Frei

Ort und Zugang
SAC Düsseldorf-Kaiserswerth 1909 e. V.
Weg nach den Hingbenden 19
40489 Düsseldorf

Anreise mit dem ÖPNV
Mit der U79 bis Klemensplatz. Von dort sind es laut Kunsthalle etwa zehn Minuten zu Fuß. Für die Navigation sollte die vollständige Adresse verwendet werden.

Öffentliche Führungen
Jeden Sonntag von 14.30 bis 16 Uhr. Kostenlos und ohne Voranmeldung.

Langer Donnerstag unterwegs
Donnerstag, 30. Juli 2026, von 18 bis 21 Uhr:

  • See+talk von 18.30 bis 20 Uhr
  • Aquarellieren zwischen Land und Wasser von 19 bis 20 Uhr
  • „Offener See und geteilter Raum?“ von 20 bis 21 Uhr

Familientag
Sonntag, 9. August, von 12 bis 19 Uhr. Familienführung mit Praxis ab vier Jahren. Für einen Teil des Programms ist eine Anmeldung bis 3. August über bildung@kunsthalle-duesseldorf.de erforderlich.

Weitere Informationen
Zur Ausstellung auf der Website der Kunsthalle Düsseldorf