Mithu Sanyal im Gespräch mit Prof. Elisabeth Bronfen

Mithu Sanyal im Gespräch mit Prof. Elisabeth Bronfen: Narzissmus, Verletzlichkeit, Shakespeare und Corona

Von Jo Achim Geschke

Mithu Sanyal E Bronfen

Mithu Sanyal und Elisabeth Bronfen / Fotos D’Haus Sanyal und Tom Haller

Ein Buch von Ihr habe ihr Studium verändert, sagt die promovierte Autorin und Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal zu Beginn eines Gesprächs mit Professorin Elisabeth Bronfen im D’Haus. Am Sonntagmittag streift das anregende Gespräch Shakespeare, Camus „Die Pest“, dreht sich um Corona und daher auch um “Verletzlichkeit“, die Erfahrung der Endlichkeit und Narzissmus.

Das erwähnte Buch zu Beginn der Stunde ist Bronfens Habilitation von 1992 , deutsch „Nur über ihre Leiche. Tod, Weiblichkeit und Ästhetik . Bronfen, heute Professorin in Zürich und New York, verriet in schön uneitler Art, sie wollte eigentlich Opernsängerin werden, Schauspielerin, daher wohl ihre Vorlieben für Shakespaere ebenso wie für Film und Hollywood.

Bronfen habe aber auch, kommt Autorin Mithu Sanyal  („Identitti“ als Roman und Theater-Uraufführung in Düsseldorf) zum Punkt, zu Beginn der Pandemie ein Buch über die Pandemie geschrieben. Und Bronfen, in der ihr eigenen Art, erzählt, wie sie Menschen auf ihren Balkon einlud um auf eine (im Lockdown) leere Stadt Zürich zu schauen. Sie habe dann nochmals Alber Camus „Die Pest“ gelesen. Und schlägt den Bogen zu den Chroniken der Pest, die von den vielen Toten berichten, von den Filmen wie „Nosferatu“ (von Friedrich Wilhelm Murnau 1922 und Werner Herzog 1979) hin zu den schrecklichen Bildern der Massengräber in Italien und New York zu Beginn der Corona-Pandemie . Und sie schlägt den Bogen zu Freud, der 1915 erschüttert über die Barbarei im Ertsen Weltkrieg schreibt.

Von da ist es nur ein kleiner Schritt zur Reflektion über Narzissmus und Kultur, über Verdrängungen, die immer mit Macht zurückkommen, und über die die Erkenntnis der Verletzlichkeit der Menschen und der menschlichen Existenz.

Und über die neue Form der Kommunikation: Wie Menschen sich selbst im digitalen Entwicklungsland Deutschland über Zoom und Teams miteinander unterhielten und austauschten. Was Bronfen auch zu Shakespeare führt, der ja wohl seine Texte und Theaterstücke mit den Schauspieler: innen im Globe Theatre in London erarbeitete, also im Team.

Und doch kommen beide im Gespräch immer zurück auf Corona, die Erschütterungen der „Selbst“ in der Pandemie, dem Verlust der Kontrolle, der Illusionen, der, so Bronfen, „Form der Enttäuschung über Autoritäten“ in den Protesten gegen und Verleugnungen von Corona.

"Freiheit gegen Sicherheit geht ja nicht, sagt Sanyal,, „erst gab es Proteste gegen die Maßnahmen, jetzt gegen die Aufhebeung von Maßnahmen“,

 Bronfen ist doch optimistisch, dass das Virus auch eien Form von Solidarität geschaffen hat.

„Wir können wieder lernen, achtsam zu sein“, meint sie hoffnungsvoll zum Ende des Gesprächs.

Weitere Termine der Gesprächsreihe von Mithu Sanyal :

The Future of Protest - Mithu Sanyal im Gespräch mit Armin Nassehi am 15. Mai um 11 Uhr, Schauspielhaus, Kleines Haus,

The Future of Capitalism Mithu Sanyal im Gespräch mit Yanis Varoufakis am 5. Juni um 11 Uhr, Schauspielhaus, Kleines Haus

Karten unterwww.dhaus.de