"Always under construction …."
„Mir war immer eines wichtig: dass wir die Türen geöffnet haben“, sagt Schulz beim Rückblick am vergangenen Mittwoch. Als er kam, 2016, war die Sanierung des Pfau-Baus am Gründgens-Platz immer noch nicht beendet – und sollte noch um einiges dauern.
Die erste Inszenierung, über die ich in NDOZ berichtete, war im September 2016 „Gilgamesh“ – im Zelt am Corneliusplatz. Unvergessen die Schlussszene, als die Zeltwand zur Kö hin hoch ging und das Theater sich öffnete hin zu den kolossal teuren, vorbeifahrenden Autos der Poser auf der Kö.
Doch das Team um Schulz und das hervorragende Ensemble ging eben nicht nur an die Kö: Es entstand bald das „Theater to go“ an verschiedenen Stätten der Stadt, so an einer Schule, dem Bunker in Heerdt, der Kirche am Lastring mit einer beeindruckenden Inszenierung von „Johanna to go“ mit Carolin Cousin oder dem „Faust to go“ mit dem Gretchen von Cennet Rüya Voß. Es war eben das D’Haus, das Theater, dass sich der Stadt öffnete und das die Stadt hinein holte ins Theater.
Auslastung 85 Prozent
Und immer, bis heute und wohl auch in Zukunft, hat das Haus drei Sparten, die zum Theater zusammengehören, so betont Schulz: Das Schauspiel, das Junge Theater, und das Stadt:Kollektiv.
Es gab ja auch die Aufführungen des Bürger-Theaters, in dem vor allem junge Mimen erstaunlich professionell auftraten: So 2016 in der Inszenierung „Ein Sommernachtstraum“ mit zumindest einer Jugendlichen, die jetzt ausgebildete Schauspielerin ist.
In der jetzt ablaufenden Spielzeit haben 265.000 Menschen bisher die Vorstellungen besucht. Es werden mit den kommenden Inszenierungen nochmals mehr, das ergibt eine Auslastung von mehr als 85 Prozent – ein Spitzenwert in Deutschland. Und „die Zukunft des Hauses ist in den nächsten Jahren weitestgehend gesichert“, so Schulz.
Fast 2 Millionen Zuschauer:innen
Insgesamt gab es in den zehn Jahren Schulz 274 Premieren und 6554 Vorstellungen, bilanziert Dramaturg Koall. Mehr als 1,95 Millionen Menschen haben Vorstellungen des D’Haus gesehen, zusätzlich haben 41.300 Menschen kostenlose Veranstaltungen besucht.
Zudem gab es stark besuchte Veranstaltungen im Schauspielhaus mit bekannten Namen wie Nathalie Amirie, Michael Friedmann, Luisa Neubauer, und auch Angela Merkel.
Es ist ein junges Theater: Der größte Teil der Texte der 274 Inszenierungen stammt aus dem 21. Jahrhundert, das sind 136 Texte, die nach 2000 erschienen sind, bilanziert Koall. Und gut ein Drittel der Zuschauer:innen gehören zum jungen Publikum.
Allein das Stück „Cabaret“ brachte es bisher auf 71 Vorstellungen, aber auch ein anspruchsvolles Stück wie „Arbeit und Struktur“ brachte es auf 49 Vorstellungen mit mehr als 10.500 Zuschauer:innen.
Weitere Zahlen und die Premieren der Spielzeiten sind nach Jahren im Buch aufgelistet.
Das Buch
Mehr als 1.5 Kilo schwer, ein Schwergewicht allein schon für die grafisch auszeichnungswürdige Darstellungen dieser zehn Jahre Theatergeschichte. Und neben den Texten gibt’s noch die wundervollen Fotos von Thomas Rabsch von den Ensemblemitgliedern.
Die mehr als 500 Seiten mit Fotos und der Dokumentation aller (!) Premieren und Inszenierungen, aufgelistet nach Spielzeiten, sowie etlichen ausführlichen Interviews, haben zudem noch „Essays“ von Wegbegleitern dieser zehn Jahre Wilfried Schulz auf etlichen Seiten zu bieten, erläutert Mit-Herausgeberin und Dramaturgin Beret Eversen. Da schreiben etwa Regisseur Robert Gerloff, oder Architekt Ingenhoven, aber auch Lea Ruckpaul, Schauspielerin und Autorin, Minna Wündrich, oder Regisseurin Bernadette Sonnenbichler. Ebenso Christof Seeger-Zurmühlen, der 2016 bis 2021 die Bürgerbühne leitete, er gründete später das „asphalt“ Festival, dass seit 2025 mit dem Schauspielhaus zusammen arbeitet. Es sind Zeugnisse der Theatergeschichte, ebenso wie das gesamte Buch.
Nachdenken über die Zkunft der Gesellschaft
Wilfried Schulz und seinem Team ist es in den zahn Jahren gelungen, das Theater in die Stadt zu holen, trotz aller Widrigkeiten. „Das Theater gehört allen“ ist so ein Satz, der auch vom nächsten Intendanten Andreas Karlaganis stammt. Bei allem Nachdenken bleibt Theater in Düsseldorf im Sinne von Schulz nun wohl ein Ort, in dem wir über die Zukunft der Gesellschaft nachdenken.
Das Buch ist unter anderem finanziert auch durch die „Freunde des Düsseldorfer Schauspielhauses“. „Es ist für das Publikum“ formuliert Schulz. Oder man kauft es für 32 Euro.
Aufführungen, Termine und Kartenbestellung unter



