OB Dr. Keller besucht inklusive Kita/Kinder werden an Herausforderungen für Sehbehinderte herangeführt

Erster Einsatz des Blindenparcours in einer Kita

Kinder können nach der spielerischen Auseinandersetzung mit dem Blindenparcours als Botschafter agieren und ihre Eltern und Großeltern auf die Bedeutung von taktilen Leitlinien hinweisen © Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young

Kinder können nach der spielerischen Auseinandersetzung mit dem Blindenparcours als Botschafter agieren und ihre Eltern und Großeltern auf die Bedeutung von taktilen Leitlinien hinweisen © Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young

Kinder in der Kindertagesstätte St. Pius X. in Eller wurden jetzt für die täglichen Herausforderungen von Menschen mit Sehbehinderung sensibilisiert. Dafür kam ein Blindenparcours zum Einsatz, der extra für Kinder entwickelt wurde. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller ließ sich bei seinem Besuch den Parcours mit Düsseldorfer Motiven zeigen, der eine spielerische Herangehensweise an das Thema Sehbehinderung und Blindenleitsystem ermöglicht.

Im Blindenparcours wird den Kindern mithilfe einer Brille eine Sehbehinderung simuliert - wählbar sind verschiedene Brillen mit unterschiedlich starken Seheinschränkungen. Mit einem weißen Stock, dem sogenannten Langstock, können die Kinder dann über die Bodenplatten im Parcours an ihr Ziel gelangen. Auf dem Weg befinden sich verschiedene Hindernisse, die es zu überwinden gilt.

 

"Die Kinder erleben durch ihr eigenes Erfahren, wie wichtig Orientierung und damit ein Blindenleitsystem ist, wenn das Sinnesorgan Auge beeinträchtigt ist", sagt Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller. "Wir erhoffen uns dadurch eine höhere Akzeptanz, Verständnis und Rücksichtsnahme auf ihre Mitmenschen. Gleichzeitig können Kinder als Botschafter agieren und so auch ihre Eltern und Großeltern auf die Bedeutung von taktilen Leitlinien hinweisen. Die Eltern können wiederum in ihrem täglichen Leben darauf achten, entsprechende Bodenplatten freizuhalten."

Inklusion in Kitas

Kinder bereichern in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit das gemeinsame Spielen und Lernen in der Kindertagesstätte. Die Kindertagesstätten in Düsseldorf unterstützen daher die gemeinsame Betreuung, Erziehung und Bildung aller Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft und Kultur, ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihren individuellen Fähigkeiten oder möglicher Einschränkungen.

Der individuelle Betreuungs- und Assistenzbedarf eines Kindes mit Behinderung oder besonderem Förderbedarf, die räumlichen Gegebenheiten von Einrichtungen, die berufliche Erfahrung der Pädagoginnen und Pädagogen oder auch organisatorische Bedingungen sind in den Kitas sehr unterschiedlich. Daher sollten sich Eltern von Kindern mit einer Behinderung, einer Entwicklungsstörung oder mit einem besonderen Förderbedarf frühzeitig an die Leitung der Kindertagesstätte ihrer Wahl oder an die Mitarbeitenden der Beratungsgruppe Kita Inklusiv beim Jugendamt unter Telefon 0211-8923472, 0211-8923473 oder per E-Mail an kitainklusiv@duesseldorf.de wenden. So können die Betreuungsmöglichkeiten geklärt und bei der Wahl einer geeigneten Betreuungsform unterstützt werden.

Beim Olympic Adventure Camp 2021 stellte Stadtdirektor Burkhard Hintzsche den Blindenparcours für Kinder vor, den Kitas und Schulen ausleihen können. Aktuell wird zudem nach einem Standort für den Blindenparcours gesucht, der dauerhaft für Kita-Gruppen und Schulklassen zugänglich ist. Außerdem gibt es eine Info-Karte, die über die Bedeutung der taktilen Leitlinien informiert.

Wer Interesse hat, den Blindenparcours auszuleihen, kann sich an das Amt für Soziales wenden unter Telefon 0211-8925890.

Hintergrund

In Düsseldorf leben rund 1.000 blinde und etwa 5.000 sehbehinderte Menschen. Taktile Blindenleitsysteme sind für sehbehinderte und blinde Menschen äußerst wichtig, um im Alltag zurecht zu kommen. Die Blindenleitsysteme werden seit 2010 verlegt und bei jedem Neubauprojekt bedacht. An besonders frequentierten Orten, wie etwa im und um den Hauptbahnhof, sind sie bereits seit langem vorhanden.

Oft werden die Bodenindikatoren aus Rillen- und Noppenplatten aus Unkenntnis zugestellt: Fahrräder, Autos, Mülltonnen oder Bauzäune stehen auf dem Blindenleitsystem und blockieren es. Für blinde und sehbehinderte Menschen sind diese Hindernisse wahre Stolperfallen. Bereits im Juni 2019 hat das Amt für Soziales mit der Kampagne "Streifenfrei", die in enger Abstimmung mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Düsseldorf sowie der Selbsthilfevereinigung PRO RETINA konzipiert wurde, über das Blindenleitsystem informiert. Der für Kinder entwickelte Parcours mit Rillen- und Noppenplatten soll daran anknüpfen und die Bekanntheit des Systems noch einmal steigern.

Ein Video zu diesem Thema wird im Laufe des Tages auf YouTube veröffentlicht unter: www.youtube.com/stadtduesseldorf