Wasser hat in Düsseldorf selten einen großen Auftritt. Es fließt aus dem Hahn, füllt unterwegs die Trinkflasche und wird im Alltag meist erst dann bemerkt, wenn etwas nicht funktioniert. Genau deshalb war der Weltwassertag im GRAF am Sonntag interessanter, als es ein Termin im Kalender zunächst vermuten ließ. Der internationale Aktionstag am 22. März erinnert seit 1993 daran, dass Wasser weltweit keine Selbstverständlichkeit ist. In Düsseldorf wurde daraus ein Nachmittag mit klaren lokalen Stimmen: Moderatorin Julia Trompeter führte durch das Programm, Dr. Hanne von Schaumann-Werder sprach für den Verein „Wasser für Afrika“, Bürgermeisterin Clara Gerlach setzte den politischen Akzent, dazu kamen Joachim Umbach von RhineCleanUp, Wasserkünstler Konny Zimmermann und Pantomime Nemo. Nach mehrjähriger Pause lud ein Bündnis rund um den Verein „Wasser für Afrika“ wieder öffentlich zum Weltwassertag ins GRAF ein; gleichzeitig markierte der Nachmittag das 15-jährige Bestehen des Düsseldorfer Vereins. Klaus von Jackelmann hat den Nachmittag für NDOZ fotografisch begleitet.
Stadtthema Wasser | Im GRAF wurde aus einem Benefiz-Nachmittag eine größere Frage: Wie selbstverständlich ist sauberes Wasser eigentlich – in Afrika, am Rhein und in Düsseldorf?
Weltwassertag in Düsseldorf: Was Wasser für Afrika, RhineCleanUp und Trinkbrunnen verbindet
Ein Glas Leitungswasser wirkt in Düsseldorf meist unspektakulär.
Im GRAF bekam es am Weltwassertag plötzlich Gewicht: mit 95 Wassertanks an Schulen in Kenia, über 50.000 Menschen bei RhineCleanUp-Aktionen am Rhein und an 25 weiteren Flüssen – und 30 Trinkbrunnen in Düsseldorf.
Wenn Wasser mehr ist als ein Hilfsthema
Der Name „Wasser für Afrika“ klingt zunächst nach Fernblick. Tatsächlich lässt sich das Thema sehr konkret erzählen. Ein Schwerpunkt liegt auf Wasser, Hygiene und Bildung – etwa im Schulprogramm in Machakos in Kenia. Dort wurden inzwischen 95 Wassertanks an 20 Schulen installiert, mit fast einer Million Litern Speicherkapazität. Rund 7.500 Kinder profitieren täglich davon. Aus einer Spendensumme wird so etwas sehr Handfestes: Wasser als Voraussetzung dafür, dass Schule, Hygiene und Alltag überhaupt funktionieren.
Auch deshalb wirkte der Nachmittag im GRAF nicht wie ein klassischer Benefiztermin. Er stellte nicht das gute Gefühl in den Mittelpunkt, sondern die Frage, was Wasserzugang ganz praktisch bedeutet. Genau darin lag seine Stärke.
Am Rhein beginnt das Thema vor der Haustür
Wer über Wasser spricht, landet in Düsseldorf schnell nicht nur bei Afrika, sondern auch beim Rhein. Mit RhineCleanUp war beim Weltwassertag eine Initiative präsent, die den Zusammenhang zwischen Wasser, Müll und Verantwortung seit Jahren sichtbar macht. Beim bislang größten Aktionstag von RhineCleanUp im September 2023 waren bundesweit über 50.000 Menschen am Rhein und an 25 weiteren Flüssen im Einsatz. Die gesammelte Müllmenge lag bei rund 300 Tonnen. In Düsseldorf kommt noch eine Zahl hinzu, die im Kleinen besonders viel erzählt: Bei Kippen-Aktionen wurden hier in den vergangenen Jahren jeweils über 250.000 Zigarettenkippen gesammelt.
Das ist die weniger festliche, aber vielleicht ehrlichere Seite des Themas. Gewässerschutz beginnt nicht erst bei großen Debatten, sondern oft im Kleinteiligen – am Rheinufer, auf dem Gehweg, in der achtlos weggeworfenen Kippe.
Wasser wird auch im Stadtbild sichtbarer
Parallel dazu verändert sich auch der Blick auf Wasser in Düsseldorf selbst. Aktuell gibt es 30 Trinkbrunnen im Stadtgebiet, perspektivisch sollen es 60 werden. Neue Standorte sind unter anderem am Aquazoo, am Hanns-Heuer-Platz und nahe dem Veenpark geplant. Was zunächst nach Service klingt, ist längst Teil städtischer Daseinsvorsorge. Gerade in heißen Sommern entscheidet öffentlich zugängliches Trinkwasser mit darüber, wie lebenswert eine Stadt ist.
Der Weltwassertag bekam dadurch im GRAF eine zweite Ebene. Es ging eben nicht nur um Wasserknappheit anderswo, sondern auch um die Frage, wie sichtbar und zugänglich Wasser im eigenen Stadtraum ist.
Die Selbstverständlichkeit hinter dem Hahn
Wie viel Aufwand hinter dieser Selbstverständlichkeit steckt, zeigen die Zahlen der Stadtwerke Düsseldorf. Das Unternehmen versorgt rund 800.000 Menschen in Düsseldorf, Erkrath und Mettmann. Jährlich werden mehr als 200 Parameter aus rund 2.000 Proben ausgewertet – zusammen fast 21.000 Messwerte. Die Stadtwerke verweisen zudem darauf, dass alle Grenzwerte eingehalten oder deutlich unterschritten werden. Zum Weltwassertag spenden sie außerdem wie in jedem Jahr einen Cent pro verbrauchtem Kubikmeter Wasser an „Wasser für Afrika“.
Gerade diese Nüchternheit ist auf ihre Weise beruhigend. Sauberes Trinkwasser ist keine Behauptung, sondern eine Frage von Infrastruktur, Kontrolle und Verlässlichkeit.
Gruppenbild beim Weltwassertag in Düsseldorf
Gruppenbild mit Beteiligten des Weltwassertags im GRAF in Düsseldorf, darunter (v.l.) Dieter Schneider-Bichel, Nemo, Joachim Umbach, Konny Zimmermann, Julia Trompeter, Hanne von Schaumann-Werder und die Band in the River. / Foto: Klaus von Jackelmann, NDOZDrei Ebenen, ein Thema
Genau deshalb funktionierte der Nachmittag im GRAF so gut. Er brachte drei Ebenen zusammen, die sonst oft getrennt verhandelt werden: Wasserzugang im globalen Süden, Müll und Gewässerschutz am Rhein und die sehr alltägliche Frage nach Trinkwasser in Düsseldorf. 95 Wassertanks in Kenia, über 50.000 Menschen bei Clean-up-Aktionen und 30 Trinkbrunnen in der Stadt – diese Zahlen sprechen für sich. Sie machen deutlich, dass Wasser nie nur Natur, nie nur Politik und nie nur Alltag ist, sondern immer alles zugleich.
Vielleicht war genau das die stärkste Beobachtung dieses Sonntags: Sauberes Wasser wirkt selbstverständlich, bis man beginnt, die Zahlen dahinter zu lesen. Dann wird aus einem leisen Thema plötzlich eine ziemlich große Frage an Stadt, Ressourcen und Verantwortung.
Wasser in Zahlen
- 95 Wassertanks an 20 Schulen in Kenia, fast 1 Million Liter Kapazität, rund 7.500 Kinder profitieren täglich.
- Über 50.000 Menschen waren beim bislang größten RhineCleanUp-Aktionstag am Rhein und an 25 weiteren Flüssen im Einsatz; rund 300 Tonnen Müll wurden gesammelt.
- Über 250.000 Kippen wurden in Düsseldorf bei Aktionen in den vergangenen Jahren jeweils gesammelt.
- 30 Trinkbrunnen gibt es derzeit in Düsseldorf, langfristig sollen es 60 werden.
- Fast 21.000 Messwerte pro Jahr erheben die Stadtwerke Düsseldorf aus rund 2.000 Proben und mehr als 200 Parametern.




