Die Kirschblüte war pünktlich. Am 16. April versammelten sich rund 200 Vertreterinnen und Vertreter der japanischen Wirtschaft an der Düsseldorfer Galopprennbahn — zum Kirschblütenempfang, einem der beständigsten Termine im Düsseldorfer Wirtschaftskalender. In diesem Jahr mit einem zusätzlichen Anlass: 165 Jahre japanisch-deutsche Beziehungen.
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller begrüßte die Gäste gemeinsam mit Paul Höller, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, und dem japanischen Generalkonsul Yoshitaka Tsunoda. Veranstalter war neben der Stadt die Gesellschaft zur Außenwirtschaftsförderung des Landes, NRW.Global Business.
Düsseldorf als Anker der japanischen Wirtschaft in Europa
Die Zahlen, die den Abend rahmten, sind nicht neu — aber sie bleiben bemerkenswert. Rund 400 japanische Unternehmen haben ihren Sitz in Düsseldorf, über 650 in ganz Nordrhein-Westfalen — und rund 7.000 Japanerinnen und Japaner leben in der Stadt, landesweit sind es etwa 15.000. Zusammen beschäftigen sie fast 50.000 Menschen im Land und erwirtschaften ein Handelsvolumen von 8,8 Milliarden Euro. Düsseldorf gilt damit als einer der bedeutendsten Japan-Standorte in Kontinentaleuropa — und die Dynamik hält an: Jährlich entscheiden sich rund 20 Unternehmen neu für eine Niederlassung in der Stadt. Allein 2025 kamen 22 Neuansiedlungen in der Landeshauptstadt hinzu, vier weitere Firmen verlegten ihren NRW-Sitz hierher.
NRW zieht dabei rund ein Drittel aller japanischen Direktinvestitionen in Deutschland an — ein Anteil, der Düsseldorf strukturell weit über die Rolle eines Standorts mit kultureller Nähe hinaushebt.
Micware, Komatsu, Tricor: Drei Beispiele für ein breites Spektrum
Sinnbildlich für diese Entwicklung steht der Softwareentwickler Micware, der seine Europazentrale im Medienhafen eröffnete — im Gebäude „The Cradle", das nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip errichtet wurde und zu den meistzitierten Nachhaltigkeitsbauten Deutschlands zählt.
Weniger sichtbar, aber wirtschaftlich bedeutsam: Tricor Packaging & Logistics, eine Tochter der japanischen Rengo Group, hat im niederrheinischen Goch/Weeze ein neues Werk für Schwerwellpappe in Betrieb genommen — nach eigenen Angaben eine der modernsten Produktionsstätten dieser Art in Europa.
Der größte japanische Arbeitgeber in Düsseldorf, Komatsu, kündigte mit dem Projekt „Plant 2030" den Neubau einer Produktionshalle in Benrath an. Gefertigt werden soll dort der weltweit größte Hydraulikbagger. Für einen Standort mit langer Industriegeschichte ist das ein deutliches Signal.
Was beim Fest besprochen wurde — und was noch kommt
Im Mittelpunkt der Gespräche standen Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung, nachhaltige Technologien sowie Quantencomputing und KI. Themen, die auch den weiteren Terminkalender prägen: Der Japan-Tag Düsseldorf — zuletzt mit rund 380.000 Besucherinnen und Besuchern — findet in diesem Jahr am 23. Mai statt. Der Wirtschaftstag Japan folgt am 27. Mai unter dem Titel „Die Verwirklichung der Kreislaufwirtschaft durch die Kommerzialisierung neuer Ideen und Verfahren"; wie Kultur und Wirtschaft dabei ineinandergreifen, zeigt auch das DEZAIN CRUSH-Format, das den Japan-Tag seit einigen Jahren begleitet. Im Juni feiert der deutsch-japanische Wirtschaftskreis e. V. mit einem Symposium zu Sicherheitskooperationen sein vierzigjähriges Bestehen in Düsseldorf — erwartet werden die japanische Botschafterin und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.
Das Kirschblütenfest ist also mehr als ein Ritual. Es markiert den Beginn einer Jahreszeit, in der Düsseldorf sehr deutlich zeigt, was es für die japanische Wirtschaft in Europa bedeutet — und was Japan umgekehrt für die rund 7.000 Japanerinnen und Japaner ist, die hier leben. Ob das auch unter dem Druck geopolitischer Verwerfungen trägt, werden die kommenden Monate zeigen.
Quelle: Wirtschaft NRW, Stadt Düsseldorf



