Maria Stuart Premiere im Schauspielhaus

Maria Stuart und Elisabeth oder die starken Frauen und Knefs Rote Rosen

Von Jo Achim Geschke

Maria Stuart C Sandra Then

Judith Bohle (Maria Stuart) und Minna Wündrich (Elisabeth) in „Maria Stuart“ / Foto © Sandra Then

Zum Schluss sitzt eine einsame Königin Elisabeth in ihrer Festung, auf den Stufen der Macht, eine Elisabeth, die um die Einsamkeit ihrer Entscheidungen weiß, aber auch sehr genau weiß, dass sie die Königin ist. Und Maria Stuart, die den Thron wollte und den Katholizismus, ist tot. Regisseurin Laura Linnenbaum kann Schillers Drama dank einer hervorragenden Minna Wündrich und Judith Bohle in den Titelrollen zu einer aktualisierten Darstellung von starken Frauen inszenieren.

Schiller war sozusagen der erste Brecht: In seiner „Ästhetischen Erziehung“ („Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, 1795) geht es, fußend auf Kants Kritik der Urteilskraft  1790, um die Folgen der französischen Revolution und deren Scheitern durch die Despotie des Dritten Standes. Für Schiller war daher vereinfacht formuliert die Frage, ob der Mensch vom Theater zur Aufklärung, zur Vernunft, zum Denken erzogen werden kann. Das hat was von Brechts Epischem Theater.

Auch „Maria Stuart“ wurde 1800 unter dem Eindruck der Französischen Revolution und der Hinrichtung Marie Antoinettes geschrieben. Elisabeth hadert in einer Szene mit der Forderung „des Pöbels“, der den Kopf Maria Stuarts will. Es ist nach Schiller eben ein Volk, dass dem Vernunftanspruch der Aufklärung nicht folgen kann.

In Friedrich Schillers „Maria Stuart“ von 1800

geht es vordergründig um die schottische Königin Maria Stuart und die englische Königin Elisabeth I. Sie war die Tochter Heinrich VIII., Mutter war Anne Boleyn, Geliebte und sechste Frau Heinrichs. Der war, auch wegen seiner vielen Frauen, zu der noch jungen Bewegung der Protestanten übergewechselt. Auch Elisabeth blieb Protestantin, sie wurde mit 25 Jahren nach vielen Wirren im Januar 1559 zur englischen Königin gekrönt.  Sie drängte den Katholizismus zurück und sorgte unter anderem für wirtschaftliches Wachstum, kulturell erblühte England mit Shakespeare und Marlow und Philosophen zum „Elisabethanischen Zeitalter“. Maria Stuart, Königin von Schottland, war allerdings überzeugte Katholikin. In England wie in ganz Europa gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Klar ist, dass Maria Stuart England zum Katholizismus bringen wollte.

Eigentlich könnte das Stück im Untertitel auch heißen „Elisabeth und Maria Stuart oder wie Männer versuchen, Frauen zu dominieren.“  Die Männer fordern den Tod der Schottin, das Urteil der Richter über sie ist ja bereits gesprochen worden. Doch Elisabeth will zunächst Maria Stuart treffen, bevor sie irgendein Urteil unterschreibt, entgegen aller Ränke der sie umgebenden Männer.

Da ist Graf von Leicester (kraftvoll Wolfgang Michalek), der historisch korrekt auch Mary Stuart heiraten sollte, oder Baron von Burleigh (Andreas Grotgar), bis hin zum Ritter Paulet  (ausgezeichnet wie immer Rainer Philippi) und dem zum Katholizismus wechselnden Mortimer (Josha Balta).

Elisabeth als sehr gebildete Frau (auch das historisch korrekt von Schiller recherchiert) hat sich schon den Heiratswünschen des Hofes widersetzt, nun will sie im Gespräch mit Maria Stuart deren Hinrichtung abwenden. Beeindruckend intensiv die Szene zwischen Elisabeth (Wündrich) und Maria Stuart (Bohle). In deren Verlauf allerdings erneuert die Stuart ihren Anspruch auf den englischen Thron und nennt Elisabeth „Bastard“, weil sie als uneheliches Kind fernab vom Hofe aufgewachsen ist.

Elisabeth ist verärgert, unterschreibt das Urteil, aber gibt es zögernd und unsicher dem Sekretär, ohne zu sagen, wann es wirklich vollstreckt werden soll. Dem Sekretär wird es von Baron von Burleigh aus der Hand gerissen. Es kommt zur Vollstreckung. Elisabeth kann nun sagen, sie habe diese Vollstreckung noch nicht angeordnet.

Als Elisabeth die Hintergründe und den Verrat Leicesters erfährt, verbannt sie schließlich Burleigh, der die Hinrichtung vorantrieb. Leicester Verbleib wird viel zitiert: „Der Lord lässt sich Entschuldigen, er ist zu Schiff nach Frankreich.“ Aber auch Graf Shrewsbury (Thiemo Schwarz), ihr treuer Berater, geht.

Elisabeth ist allein.

Knefs „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“

Dass dann Knefs „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ ertönt, die erste Strophe, die schon zu Beginn anklang  - es ist das Lied der Schwulen- und Lesben-Bewegung seit 1968, als Schwulsein noch bestraft wurde. Und Knefs Lied ist bekannt aus dem Musikwunsch der scheidenden CDU-Kanzlerin Merkel, die es sich für ihre militärischen Verabschiedung (Großer Zapfenstreich) gewünscht hatte. Mit der einsamen Elisabeth I. ist sie aber wohl nicht zu vergleichen.

Langer, langer Jubel und Applaus.

Weitere Aufführungen 29. Januar, 7. Februar, 15. Februar etc und

Karten unter www.dhaus.de