Schauspielhaus, Junges Schauspiel im Dezember/ Januar

Minna von Barnhelm, eine Doppelpremiere und Junges Schauspiel im Dezember

Von Jo Achim Geschke

Doppelpremiere DHaus

Doppelpremiere „Trauer…“ und „Die Wand“, Thiemo Schwarz, Hanna Werth/ Foto © Thoma Rabsch Dhaus

Mit einer Doppelpremiere stellt das Schauspielhaus „Trauer ist das Ding mit Federn“ von Max Porter, eine Deutschsprachige Erstaufführung, sowie „Die Wand“ von Marlene Haushofer, ein Solo mit Hanna Werth, im Kleinen Haus vor. Außerdem im Spielplan für Dezember „Minna von Barnhelm“ von Gotthold Ephraim Lessing. Zudem »Lasst mich ich selbst sein.« Anne Franks Lebensgeschichte mit der Ausstellungseröffnung am 13. Dezember um 18 Uhr in der Münsterstraße 446 (Foyer, Eintritt frei, Zählkarten an den Kassen) Im Januar folgt dann unter anderem die Premiere von Schillers „Maria Stuart“ .

Regisseurin Laura Linnenbaum inszeniert zwei eigenständige literarische Texte: Neben dem vielbeachteten Debütroman des englischen  Autors Max Porter widmet sie sich Marlen Haushofers Roman »Die Wand«. Nach der Doppelpremiere am 11. Dezember  werden sie zumeist getrennt voneinander und abendfüllend im Kleinen Haus zu sehen sein. Auf unterschiedliche Weise nähern sich beide Arbeiten dem Motiv »Der Welt abhandenkommen«.

Trauer ist das Ding mit Federn  von Max Porter  ist eine deutschsprachige Erstaufführung / Premiere am 11. Dezember. Wo das Leben ist, da ist auch der Tod. Und manchmal kommt er ohne Vorwarnung und lange bevor die Zeit reif ist. Max Porter erzählt in seinem vielstimmigen Roman ebenso warmherzig wie leicht vom Versuch einer jungen Familie, nach dem plötzlichen Verlust der Mutter zurück ins Leben zu finden. »Wir waren mittendrin, Lichtjahre entfernt vom Ende.« Der Vater, nun allein in der Verantwortung für die Söhne und selbst unter Schock, versucht, sich aus seiner Lähmung zu befreien und den Familienalltag zu meistern. »Viele sagten: ›Ihr braucht Zeit‹; in Wirklichkeit brauchten wir Waschpulver, Läuse Shampoo, Fußball-Sticker, Batterien, Bogen, Pfeile.« Dann steht eines Tages ein sprechendes, vogelartiges Wesen vor der Tür, in dem der Vater, der schon lange an einem Buch über seinen Lieblingsdichter Ted Hughes schreibt, die Titelfigur von dessen  Gedichtzyklus »Krähe – Aus dem Leben und den Gesängen der  Krähe« zu erkennen glaubt. Krähe zieht bei der Familie ein und bringt schräge und zum ersten Mal auch wieder komische Töne in das trauernde Haus: Der neue Mitbewohner ist pietätlos, hinterlässt überall Schmutz und Federn und wird immer mehr zum  Katalysator der Trauer.

Mit: Nils David Bannert, Jacob Zacharias Eckstein, Kilian Ponert, Thiemo Schwarz  —  Regie: Laura Linnenbaum  —  Bühne: Daniel Roskamp  —  Kostüm: Ulrike Obermüller  —  Musik: Lothar Müller  —  Licht: Christian Schmidt  —  Dramaturgie: Sonja Szillinsky

Die Wand  von Marlen Haushofer, ebenfalls Premiere am 11. Dezember,  als Solo für Hanna Werth. Regisseurin Laura Linnenbaum inszeniert den Roman als Monolog mit  Hanna Werth. »Ich stand noch dreimal auf und überzeugte mich davon, dass hier, drei Meter vor mir, wirklich etwas Unsichtbares, Glattes, Kühles war, das mich am Weitergehen hinderte.« Aus einem dreitägigen Aufenthalt in der Jagdhütte von Bekannten wird für die Protagonistin in Marlen Haushofers poetischem Roman ein anderes Leben. Durch eine rätselhafte Grenze von der Zivilisation auf unabsehbare Zeit abgeschnitten, sucht sie in ihrer Einsamkeit nach neuem Sinn und findet ihn im Leben mit der Natur: Tiere werden zu Gefährten, die Nahrungsversorgung zur Hauptaufgabe. Und obwohl sie die hinter ihr liegende, verlorene Welt mit all ihren Anforderungen und Konventionen wenig vermisst, blitzt immer wieder Verzweiflung auf: »Mir wurde klar, dass mein Leben von der Menge der verbliebenen Zündhölzer abhing.« Um nicht in Dunkelheit zu versinken, verfasst sie einen Bericht über ihre Isolation und streift darin zahlreiche Fragen menschlicher Existenz.

Mit: Hanna Werth  —  Regie: Laura Linnenbaum  —  Bühne: Daniel Roskamp  —  Kostüm: Ulrike Obermüller  —  Licht: Christian Schmidt  —  Dramaturgie: Sonja Szillinsky

Weihnachtsprogramm für die ganze Familie

A Christmas Carol  von Charles Dickens  ab 6  Jahren ist bereits seit dem 26. November im Central am Hauptbahnhof auf der Bühne. Familienvorstellungen im Dezember: 5., 12., 19., 25. und 26.12.

Es ist wohl eine der bekanntesten Weihnachtsgeschichten. »A Christmas Carol« schrieb Charles Dickens 1843, um Geld für die Familie zu verdienen. Der Erfolg trat unmittelbar ein, doch da es damals noch kein Urheberrecht gab, wurde sein Text häufig nachgedruckt und er verdiente kaum daran. Noch heute berührt seine Geschichte über Armut, Geiz und Habgier. Sie erzählt davon, dass Menschen in  Gemeinschaft zueinanderfinden sollen, dass wir andere nicht herabsetzen und uns nach Kräften bemühen mögen, das Los der anderen zu bessern. Zudem handelt es sich um eine große Geistermär. Das birgt ein  wenig Grusel und ausgerechnet der läutert den hartherzigen und reichen Ebenezer Scrooge. Die Geister zeigen ihm seine glückliche Vergangenheit, aber auch das (tödliche) Leid, das sein Geiz verheißt, würde er kalt und unbarmherzig bleiben. In der Nacht vor Weihnachten findet Scrooge zu neuer Menschlichkeit. Mit großen Sprachbildern, in glitzernden, historisch anmutenden Kostümen und auf einer ebenso einfachen wie spektakulären Bühne lädt Regisseurin Mina Salehpour zu einer besonderen Weihnachtsgeschichte in einem musikalischen Ensemblespiel ein. Ihre Theaterarbeiten wurden mehrfach zu Festivals eingeladen und ausgezeichnet. »A Christmas Carol« ist nach »Paradies« Salehpours zweite Arbeit in Düsseldorf. — Mit freundlicher Unterstützung der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Mit: Selin Dörtkardeş, Denis Geyersbach, Jonathan Gyles, Paul Jumin Hoff mann, Noëmi Krausz  —  Regie: Mina Salehpour  —  Bühne und Kostüm:  Maria Anderski  —  Musik: Sandro Tajouri  —  Dramaturgie: Kirstin Hess  —  Theaterpädagogik:Lama Ali

Junges Schauspiel

»Lasst mich ich selbst sein.« Anne Franks Lebensgeschichte

Die Ausstellungseröffnung ist am 13. Dezember um 18 Uhr in der Münsterstraße 446 (Foyer) — Eintritt frei, Zählkarten an den Kassen

Vom 13. bis 23. Dezember wird im Foyer des Jungen Schauspiels mit »Lasst mich ich selbst sein« eine Wanderausstellung des Anne Frank Hauses Amsterdam und des Anne Frank Zentrums Berlin gezeigt, die Geschichte und Gegenwart verbindet. Zur Eröffnung am 13. Dezember sind n eben der Schirmherrin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen) Anne Frank Botschafter*innen aus NRW zu Gast, die über ihr Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Diskriminierung berichten. Die Ausstellung zeigt in acht Teilen, die Lebens geschichte von Anne Frank und gibt Einblicke in die Zeit, in der sie gelebt hat. Sie wendet sich direkt an Kinder und Jugendliche mit Fragen zu Identität, Gruppenzugehörigkeit und Diskriminierung: »Wer bin ich? Wer sind wir? Wen schließen wir aus?« Die Wanderausstellung geht zudem der Frage nach, was wir heute bewirken können, und stellt Initiativen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus vor. — Öffnungszeiten: Ausstellungseröffnung am 13.12. um 18 Uhr —  Geöffnet am 14., 16., 18., 21.12. von 15 bis 18 Uhr sowie ab eine S tunde vor Vorstellungsbeginn. —  Außerhalb dieser Öffnungszeiten können Lehrer*innen die Ausstellung mit ihren Schüler*innen besuchen. Schreiben Sie dazu eine E-Mail an: thiemo.hackel@dhaus.de

 X-mas Party — am 18.12. nach der Vorstellung von »Bambi & Die Themen« — Die Come together zu »Bambi & Die Themen« sind  bereits Kult. Heute wird so richtig kitschig Weihnachten zelebriert: Ein Best-of der Weihnachtsschnulzen ist dabei und später besingt ihr mit dem Ensemble beim Kitsch-Karaoke mit kühlem Bier oder Glühwein Besinnlichkeit und Weltschmerz. Das Jahr geht glitzernd zu Ende in der Münsterstraße 446. Theaterpat*innen — Jeden Monat besuchen engagierte

Theaterpat*innen : Familienvorstellungen im Jungen Schauspiel, bei denen sie dem Publikum auf der  Bühne vorgestellt werden. Das gemeinsame Pat*innenbekenntnis  lautet: Wir Erwachsenen sind Türöffner*innen, wenn es um die kulturelle Bildung junger Menschen geht. — Am 5. Dezember freuen wir uns auf Regisseur Sönke Wortmann bei »A Christmas Carol« im Central.

Leben und Zeit des Michael K.  —  von Nobelpreisträger J. M. Coetzee 

In zweijähriger Zusammenarbeit entstanden Idee, Konzept und Bühnenfassung der gemeinsamen Uraufführung des Baxter Theatre Centre in Kapstadt und des Düsseldorfer Schauspielhauses zum Roman »Leben und Zeit des Michael K.« des Literaturnobelpreisträgers J. M. Coetzee. Jetzt ist die Produktion unter der Regie von Lara Foot in Zusammenarbeit mit der gefeierten südafrikanischen Handspring Puppet Company endlich als Live-Premiere im Düsseldorfer Schauspielhaus zu sehen – nachdem die Inszenierung das Festival Theater der Welt als Stream eröffnete.

»Eine beängstigend schöne Geschichte«, so Lara Foot. »In einer gewalttätigen Welt ist Michael K. ein einfacher Prophet und ein Prophet der Einfachheit, der Kraft in seiner Menschlichkeit und seiner tiefen Verbindung zur Erde sucht.«

Nur wenige Vorstellungen  —  am 10. und 12. Dezember sowie am 18. und 20. Februar 2022 , auf Englisch, Afrikaans und Xhosa mit deutschen Übertiteln

Hinweis:

Im D’haus gilt für alle ab 16 Jahren die 2G-Regel – geimpft und genesen. Bitte halten Sie am Eingang Ihren 2G-Nachweis sowie Ihren Personalausweis oder Führerschein bereit. Schulpflichtige Kinder und Jugendliche bis einschließlich 15 Jahren gelten aufgrund ihrer Teilnahme an den verbindlichen Schultestungen als getestete Personen. Für diese Schulkinder und noch nicht eingeschulte Kinder, sowie für reine Schulveranstaltungen gilt weiterhin die 3G-Regel. Im gesamten Theater besteht die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske – auf den Umgängen, im Foyer und auch im Saal während der Vorstellung.

Weitere Infos und Karten unter www.dhaus.de