Rosa Enskat stürmt als der „Theatermacher“ die kleine ovale Bühne, die von beiden Seiten vom Publikum flankiert ist. Sophie Stockinger als Bühnenarbeiterin / Feuerwehrfrau/ Wirtin bleibt wortkarg und kaugummikauend völlig unbeeindruckt. Dafür beginnt Enskat ihren fast 90 Minuten andauernden Text mit überbordenden Tiraden und ausufernden Beschimpfungen mit dem erste Aufregerthema für den „Theatermacher“ : Die kleine Familientruppe spielt in einer Kneipe in Utzbach, einem Kaff, in dem man früher „nicht mal zum „Wasserlassen“ angehalten hätte. Das Stück stammt von ihm, vereint darin alle Tyrannen der Welt, da gibt’s ja auch heute viele. Und wird gespielt von seiner Familie, die er regelmäßig runtermacht.
Frittatensuppe
Und der Chef des kleine Familientheaters bestellt für alle eine Frittatensuppe - für Nicht-Österreicher: Eine Fleischsuppe mit Streifen Palatschinken oder Pfannkuchen in Streifen. Die satirisch übergroß auf die Bühne von oben herunterfallen. Leicht übergroß ist auch der symbolische Scheinwerfer, der heruntergelassen wird, etwa zwei Meter lang, in den Enskat später hineinkriecht – und gegen Ende mit einer aktuellen Ausgabe von „Le Monde diplomatique“ auf dem Kopf herauskriecht.
Die Notbeleuchtung
Und dann das Thema „Die Notbeleuchtung“. Die muss ausgestellt werden, „ich brauch absolute Dunkelheit“ sagt er. Aber der Feuerwehrhauptmann hat untersagt, dass die Notbeleuchtung abgeschaltet werden darf. Enskat / Theatermacher explodiert in gehässigen Wortfolgen, und „der Feuerwehrhauptmann! In Utzbach!“ kann niemand abfälliger aussprechen als Enskat. Vernichtend!
… dann eben abgesagt
Genau diese Notbeleuchtung ist der Ursprung des Stücks: Bernhard und Peymann machen 1972 eine Aufführung und wollen … dass die Notbeleuchtung abgeschaltet wird. Das verbietet die Feuerwehr. Woraufhin Peymann und Bernhard alle weiteren Aufführungen abgesagt haben. Was dann aber 1985 zum gemeinsamen Stück „Der Theatermacher“ führte.
Die Frauen und die Veränderungen
„Mit Frauen Theater spielen ist eine Katastrophe“ sagt Rosa Enskat als die Hauptrolle – und deutet mit diesem Textstück schon an, warum die Regisseurin alle Rollen mit Frauen besetzte.
Übrigens auch die Rollen der Kinder, also der Sohn und die Tochter (Sohn Alisa Lien Hrudnik und Tochter Flavia Berner). Die beiden sind Studierende des Schauspielstudios am Schauspielhaus und spielen auf der Bühne Klavier und Geige, ein wichtiges Thema ist dabei Mozarts „Fantasie in d-moll“.
Der Text des „Enfant terrible“ des österreichischen Theaters – und der Politik – verweist auf heutige Zeiten und mit den betont weiblichen Darstellerinnen auch auf die Veränderung. Denn im Text heißt es einmal „man sagt, die Frauen seien heute auf dem Vormarsch, ja, in die Katastrophe hinein“- Was ja teils den Formulierungen von Männern in „social media“ entspricht, wenn etwa erstmals eine Trainerin eine Bundesligamannschaft trainiert etc, also heutigen Verlustängsten etlicher Männer, weil Frauen unübersehbar „auf dem Vormarsch“ sind, auch intellektuell.
Minna Wündrich und der Monolog mit dem Husten
Verwunderlich, scheints, ist diese Frau des Theatermachers (Minna Wündrich), die wundervollen Kostüme trägt, die an Revue und Theater um 1900 - 1920 erinnern, denn diese Frau sagt kein einziges Wort auf der Bühne. Doch dann der abschließende Monolog als Videoprojektion, nicht von Bernhard, sondern vom österreichischen Autor Ferdinand Schmalz (als Auftrag vom Schauspielhaus!) , und dieser Monolog lebt vom ausdrucksstarken Gesicht Minna Wündrichs. Und Wündrich nimmt ihn auf, diesen Text über das verstrickt-sein in das Theater, diese Schauspielerei, die den Text des Autors aufnimmt, die Rolle aufnimmt, der Text, mi demt Wündrich so eingehend erklärt, was das ist, Theater, diese Schauspielerei, der wir da so oft zuschauen …
Langer langer Jubel für dieses beeindruckende Theatererlebnis.
Nächste Termine und Karten-Bestellung
https://www.dhaus.de/programm/spielplan/der-theatermacher/2574/
HINWEIS.
Für die letzten Tage der Intendanz von Wilfried Schulz erwartet das Publikum vom 1. April bis 11. Juli ein besonderes Abschiedsprogramm, inklusive Sonderaktion für die meisten Vorstellungen mit Karten für 20/ 8 € auf allen Plätzen (https://www.dhaus.de/programm/spielplan/2026-04/sonderpreis-100-tage-theater?scheduleScrollTo=2026-04) .
Der Theatermacher von Thomas Bernhard, mit einer Zugabe von Ferdinand Schmalz, in der Regie von Christina Tscharyiski, nur mit Frauen besetzt, Premiere am 16. April 2026 im Schauspielhaus, Kleines Haus.
Besetzung
Bruscon, Theatermacher Rosa Enskat
Frau Bruscon, Theatermacherin Minna Wündrich
Ferruccio, deren Sohn Alisa Lien Hrudnik
Sarah, deren Tochter Flavia Berner
Der Wirt Sophie Stockinger
Regie Christina Tscharyiski
Bühne Dominique Wiesbauer
Kostüm Janina Brinkmann
Musik Kyrre Kvam
Licht Konstantin Sonneson
Dramaturgie Stijn Reinhold
Dauer
1 Stunde 30 Minuten — keine Pause



