Vom 3. bis 20. September 2026 zeigen Natalia.Web, Friederike Zech, Klaus von Jackelmann und Matias „Kobolder“ Piantanida ihre Arbeiten in einer ehemaligen Dampfschleiferei in Solingen-Widdert.

Düsseldorfer Kunst trifft Solinger Industriegeschichte: „AugenBlickMal“ in der Loosen Maschinn

Von Alexandra Scholz-Marcovich |

Natalia.Web beim Blindzeichnen: Porträts in Sekunden, ohne einen Blick aufs Blatt./ Foto: Klaus von Jackelmann
Natalia.Web beim Blindzeichnen

Natalia.Web beim Blindzeichnen beim „kleinen WEEKEND – Die Unterschätzung“ von Loft of Art in Düsseldorf. / Foto: Klaus von Jackelmann

Vier Kunstschaffende aus Düsseldorf, ein historischer Ausstellungsort in Solingen und vier sehr unterschiedliche Blicke: „AugenBlickMal“ verbindet Fotografie, Malerei und Zeichnung. Zwei der Beteiligten kennt NDOZ bereits aus dem Umfeld von Loft of Art.

Für Düsseldorfer Kunst muss man manchmal Düsseldorf verlassen. Zum Glück führt der Weg diesmal nur bis Solingen. In der Loosen Maschinn in Solingen-Widdert eröffnet am Donnerstag, 3. September, die Gemeinschaftsausstellung „AugenBlickMal“. Mit dabei sind Natalia.Web, Friederike Zech, Klaus von Jackelmann und Matias „Kobolder“ Piantanida – vier Kunstschaffende aus Düsseldorf. Matias war zunächst als Überraschungsposition angekündigt.

Ganz unbekannt sind uns die Namen nicht. Natalia.Web und Klaus von Jackelmann sind NDOZ bereits im Umfeld von Loft of Art begegnet. Klaus stand bei der Pink Edition im Mai selbst zwischen seinen gerahmten Düsseldorf-Perspektiven und seiner Schwarz-Weiß-Serie „Wash Salon“. Natalia blieb schon beim „kleinen WEEKEND – Die Unterschätzung“ mit einer ungewöhnlichen Disziplin in Erinnerung: Sie porträtiert Menschen, ohne beim Zeichnen auf das Papier zu schauen. Das klingt nach einem gewissen Risiko für beide Seiten. Bei Loft of Art funktionierte es erstaunlich gut.

Ein Porträt, ohne aufs Blatt zu sehen

Dieses Live-Format bringt Natalia am Sonntag, 6. September, mit nach Solingen. Zwischen 15 und 18 Uhr können Besucherinnen und Besucher für ihr Projekt „be my muse“ Modell sitzen. In rund zwei Minuten entsteht das Porträt mit einer durchgehenden Linie – der Blick der Zeichnerin bleibt dabei bei ihrem Gegenüber. Die fertigen Arbeiten können nach Absprache gegen eine Spende mitgenommen werden oder bis zum Ende der Ausstellung vor Ort bleiben.

Friederike Zech nähert sich dem Sehen auf eine ruhigere Weise. In ihren Arbeiten untersucht sie fragile Strukturen und Landschaftsräume. Papier, Kreiden, Lasuren auf Holz und Oxidationen auf Metall treffen dabei auf ein wiederkehrendes Motiv: den Horizont. Natur erscheint nicht als starre Kulisse, sondern als etwas, das sich verändert, verdichtet und auch verletzlich bleibt.

Bei Loft of Art stand Klaus von Jackelmann zwischen seinen Düsseldorf-Fotografien und einem kleinen Ventilator, der an diesem heißen Sonntag fast so wichtig war wie die Kunst. In Solingen übernimmt wieder die Street Photography den Platz an der Wand. Klaus richtet die Kamera auf Bewegungen, flüchtige Blicke und kleine Alltagsszenen, die leicht übersehen werden. Hinter einem scheinbar zufälligen Augenblick steckt bei ihm meist eine Geschichte.

UPDATE VOM 28. AUGUST 2026: DIE ÜBERRASCHUNG IST GELÜFTET

Hinter der zunächst geheim gehaltenen vierten Position steht Matias „Kobolder“ Piantanida. Der argentinisch-italienische Illustrator lebt in Düsseldorf und beginnt viele seiner Zeichnungen blind vor einem leeren Blatt. Seinen kreativen Prozess beschreibt er als das Öffnen einer „kleinen Tür in der Stirn“, aus der schwarz-weiße Figuren mit großen Augen aufs Papier drängen. Eine feste Bedeutung gibt er ihnen nicht: Erst die Betrachtenden vollenden die Zeichnungen mit ihren eigenen Gedanken und Geschichten.

Kunst in einer ehemaligen Dampfschleiferei

Der Ort setzt einen eigenen Kontrast zu den Arbeiten. Die Loosen Maschinn ist eine frühere Dampfschleiferei in Solingen-Widdert. Das Programm wird vom Förderverein Industriemuseum Solingen in Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden und dem LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs organisiert.

Zur Eröffnung am 3. September wird auch das Geheimnis um die vierte künstlerische Position noch nicht vollständig gelüftet. Wer erfahren möchte, wer sich hinter der angekündigten Überraschung verbirgt, muss an einem der drei Ausstellungssonntage vorbeischauen. Für drei Düsseldorfer Kunstschaffende und ein kleines Geheimnis darf die Stadtgrenze ruhig etwas durchlässiger werden.

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