Eine Orgel ist gewöhnlich das einzige Instrument im Raum, das bei einem Umzug schlechte Karten hätte. Klanglich reist sie dafür erstaunlich weit. Beim IDO-Festival 2026 landet sie neben einem Blasorchester, John Williams, einer Jazztrompete und Buster Keatons Lokomotive.
Vom 26. September bis zum großen Finale am 1. November bringt die 21. Ausgabe des Internationalen Düsseldorfer Orgelfestivals 42 Konzerte nach Düsseldorf. Das Programm reicht von Klassik und Jazz bis zu Film, Tanz und Performance. NDOZ hat vier Termine ausgewählt, die sehr unterschiedliche Türen zu diesem Festival öffnen.
Vier NDOZ-Tipps aus dem IDO-Programm
Vier Arten, die Orgel neu zu hören: anklicken, kurz orientieren und weiterlesen.
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„Rheinische Rhapsodie“: ein Orchester zum Auftakt
Die Junge Bläserphilharmonie NRW trifft auf die Peter-Orgel der Petruskirche und das Schlagzeugensemble SPLASH – Perkussion NRW. Im Mittelpunkt steht eine eigens für das Programm beauftragte Uraufführung von Naji Hakim. Der Auftakt zeigt, welchen Maßstab das Festival seiner Orgel gleich am ersten Abend zumutet.
Foto: JBP NRW
Zum Termin beim IDO-Festival →Bach trifft Star Wars: zwei Klangwelten, eine Orgel
Der Titel klingt zunächst wie ein Unfall in einer Playlist. Genau darin liegt sein Reiz. David Schollmeyer stellt Bachs Toccata d-Moll und weitere barocke Werke den Filmmusiken von John Williams gegenüber, darunter Star Wars, Harry Potter, Superman und E.T.
Illustrationsfoto: Casey Horner / Unsplash
Zum Termin beim IDO-Festival →Frederik Köster und Kit Downes testen den freien Raum
Eine Trompete kann eine Phrase in den Raum werfen. Eine Pfeifenorgel antwortet mit einem ganzen Gebäude. Frederik Köster und Kit Downes arbeiten beide zwischen Jazz, Improvisation und Komposition. In der Friedenskirche entscheidet sich, wie beweglich dieses große Instrument im direkten Dialog sein kann.
Foto: Stefanie Markus / Juliane Schuetz
Zum Termin beim IDO-Festival →Helge Schneider begleitet Buster Keatons Lokomotive
Bei Helge Schneider vergisst man gelegentlich, wie ernst er Musik nehmen kann. In der Black Box begleitet er Buster Keatons Stummfilmklassiker „The General“ live an der historischen Welte-Kinoorgel. Keatons präzise Körperkomik trifft damit auf einen Musiker, bei dem Präzision und Unberechenbarkeit gern nebeneinandersitzen.
Logo: IDO-Festival
Zum Termin beim IDO-Festival →Eine Orgel verlässt ihre Sonntagsrolle
Das Leitmotiv der 21. Festivalausgabe lautet „Staunen“. Ein großes Wort, das im Programm erstaunlich praktisch behandelt wird: Die Orgel bekommt ständig neue Gesellschaft. Mal sind es ein Blasorchester und Perkussion, mal Tanz, Sandmalerei, elektronische Klänge oder ein Stummfilm.
Veranstaltet wird das Festival von der psallite.cantate gGmbH unter der künstlerischen Leitung von Dr. Frederike Möller. Gespielt wird in Kirchen verschiedener Stadtteile, aber auch in der Black Box des Filmmuseums und an weiteren Kulturorten. Mit der Besetzung verändert sich zugleich die Art, wie das Publikum dieses Instrument hört.
Zum Auftakt muss sich die Orgel gegen ein Orchester behaupten
Die Festivaleröffnung führt am 26. September in die Petruskirche nach Unterrath. Rund 75 junge Musikerinnen und Musiker der Jungen Bläserphilharmonie NRW spielen unter der Leitung von Tobias Schütte. Hinzu kommen SPLASH – Perkussion NRW und der Organist Kyuhyun Lim.
Das Programm trägt den Titel „Rheinische Rhapsodie“. Dazu gehört eine Auftragskomposition von Naji Hakim, die an diesem Abend uraufgeführt wird. Für den Einstieg ist das eine klare Ansage: Die Orgel soll nicht diskret begleiten. Sie bekommt ein großes Gegenüber.
Von Bach bis zum Todesstern
Am 16. Oktober setzt David Schollmeyer die Europa-Orgel der Auferstehungskirche zwischen zwei musikalische Welten. Auf der einen Seite stehen Johann Sebastian Bach und die Toccata d-Moll. Auf der anderen Seite warten John Williams und Themen aus „Star Wars“, „Superman“, „Harry Potter“ und „E.T.“.
Das funktioniert als niedrigschwelliger Einstieg, ohne die Orgel kleinzumachen. Wer ein Motiv aus dem Kino wiedererkennt, hört gleichzeitig, welche Farben ein Instrument entfalten kann, das für einen ganzen Raum gebaut wurde.
Auch andere Abende setzen auf unerwartete Kombinationen. Am 23. Oktober kehren Orgel und japanische Trommeln in die Johanneskirche zurück. Einen Tag später zeichnet Irina Titova Sandbilder zu Orgelmusik von Hans-André Stamm. Am 30. Oktober trifft die Beckerath-Orgel der Johanneskirche auf mehr als hundert Bläserinnen und Bläser rheinischer Posaunenchöre.
Jazz in einem Instrument mit festen Pfeifen
Frederik Köster und Kit Downes wählen am 26. Oktober einen anderen Weg. Köster arbeitet mit der Trompete, Downes mit der Pfeifenorgel. Beide kommen aus dem Jazz und sind mit Improvisation vertraut. Das macht die Begegnung interessant, denn bei einer Kirchenorgel ist vieles räumlich und technisch festgelegt, während Jazz von unmittelbarer Reaktion lebt.
Kit Downes erhielt 2025 den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie Tasteninstrumente. Frederik Köster bewegt sich seit Jahren zwischen eigenen Ensembles, Bigband und Komposition. In der Friedenskirche geht es deshalb weniger um den Effekt einer ungewöhnlichen Paarung als um die Frage, wie zwei eigenständige Musiker miteinander Platz schaffen.
Eine Lokomotive, eine Kinoorgel und Helge Schneider
Für „The General“ wird die Orgel wieder Teil des Kinos. Buster Keatons Stummfilm ist 2026 genau hundert Jahre alt und erzählt von einem Eisenbahner, einer entführten Lokomotive und einem Wettlauf durch den amerikanischen Bürgerkrieg. Die Lok ist dabei Fahrzeug, Schauplatz und zweite Hauptdarstellerin.
Helge Schneider begleitet den Film am 31. Oktober live an der historischen Welte-Kinoorgel der Black Box. Er sitzt selbst am Instrument und muss auf Tempo, Bewegung und Komik des Films reagieren. Karten verkauft die Black Box ausschließlich an ihrer Kinokasse; Reservierungen sind nicht möglich.
Mehr als hundert Stimmen zum Schluss
Das große Finale am 1. November führt in die Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Derendorf. Der Städtische Musikverein zu Düsseldorf und der Chœur Régional Hauts-de-France bilden gemeinsam einen Chor mit mehr als hundert Stimmen. Unter der Leitung von Dennis Hansel-Dinar steht Gabriel Faurés Requiem in einer Fassung für Chor und Orgel auf dem Programm. Odilo Klasen spielt die Seifert-Orgel.
Damit endet das Festival deutlich klassischer, als es unterwegs klingt. Nach Star Wars, Jazz, Sand und Kino bekommt die Orgel ihre große Kirche zurück. Ganz war sie zwischendurch allerdings nicht.
Das IDO-Festival läuft vom 26. September bis zum 1. November 2026. Die vier NDOZ-Tipps sind eine Auswahl aus 42 angekündigten Konzerten. Spielorte, Uhrzeiten und Preise unterscheiden sich; vor dem Besuch lohnt sich deshalb der Blick in das jeweils aktuelle Onlineprogramm.







