Mörig schon 2018 an der Heinrich-Heine-Universität aufgefallen?

Der Geheimplan, Düsseldorfer Kreis, ein rechter Zahnarzt aus Düsseldorf und die HHU

Von Iman Uysal |

Aufkleber www.keinbockaufnazis.de / Foto: NDOZ

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Neonazis, AFD-Politiker, CDU-Politiker und private Unterstützer kamen im November 2023 in einem Hotel bei Potsdam zusammen. Sie planten die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland, vor allem die von deutschen Staatsbürgern mit Zuwanderungsgeschichte. Die Teilnehmer des Treffens präsentierten und diskutierten, wie genau sie diese Strategie gemeinsam in die Tat umsetzen wollen, sollte die AFD an die Regierung kommen. Organisator dieser und vorhergehender Treffen war Gernot Mörig, ein Zahnarzt aus Düsseldorf Oberkassel.

Zwei Einladungen zu dem Treffen wurden versandt. Beide wurden von Mörig unterschrieben. In einer der Einladungen lädt Mörig dazu ein, über ein „Gesamtkonzept, im Sinne eines Masterplans“ in Potsdam zu sprechen. In einem Hotel, welches nur wenige Kilometer von der Villa am Wannsee entfernt ist, in der 1942 Nationalsozialisten die „Endlösung der Judenfrage“ besprachen. Den Masterplan vorstellen soll der rechtsextreme Aktivist, Martin Sellner. Der Österreicher gilt als das Gesicht der Identitären Bewegung. Das Thema von Sellners Rede: „Remigration“.

Damit meint der Österreicher die Abschiebung von Asylbewerbern, Ausländern mit Bleiberecht und auch deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund, oder wie Sellner sagt „nicht assimilierte Staatsbürger“. Das würde Millionen von Menschen in Deutschland treffen können. Ein „Geheimplan gegen Deutschland", wie es später auf der Seite von Correctiv steht. Correctiv ist ein Recherchezentrum mit Sitz in Essen und einem weiteren Standort in Berlin und deckte das geheime Treffen auf.

Laut Correctiv habe Gernot Mörig ihnen gegenüber später die Aussage getroffen, er hätte die Aussagen von Sellner so nicht wahrgenommen, sonst wären diese

„nicht ohne Widerspruch von mir geblieben“.

Trotz allem bezeichnet er sich als

„alleiniger Veranstalter“

dieses Geheimtreffens. Er wusste also, worum es inhaltlich geht. Außerdem habe Mörig Geld für die Idee sammeln wollen, wie es in einer der Einladungen heißt.

Bereits in seiner Jugend war Mörig als Mitglied des „Bundes Heimattreuer Jugend“, in der rechtsextremen Szene unterwegs, deren Abkürzung HJ sich nicht von der Abkürzung der Hitler-Jugend der NSDAP unterscheidet. Seine Frau Astrid und ihre gemeinsamen Kinder sind wohl ebenfalls in der Szene aktiv.

Mörig war bis vor fünf Jahren Besitzer der „Zahn-Gesundheit-Oberkassel" Praxis. Vor fünf Jahren übernahm der heutige Praxisinhaber Robert Svoboda, mit dem er seit 2014 zusammen gearbeitet hatte, die Praxis von ihm. Heute distanziert sich die Praxis von Mörig. Der Inhaber denke darüber nach, die Praxis umzubennen. Auf einem Aushang vor der Zahnarztpraxis steht jetzt:

"Wir positionieren uns gemeinsam klar gegen Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung jeglicher Art. Wir leben Vielfalt in einem toleranten, respektvollen Miteinander! Rassismus hat bei uns keinen Platz! Wir sind gegen Rechts!"

2018 sei der Düsseldorfer Zahnarzt auch in der Heinrich-Heine-Universität aufgefallen. Mörig war damals an der Medizinischen Fakultät der HHU im Bereich „Zahnmedizin“ tätig, bis Studierende den Allgemeinen-Studierenden-Ausschuss auf seine rechtsradikale Vergangenheit aufmerksam machten. Die Fakultät habe nach den Hinweisen den Lehrauftrag sofort gestoppt. Der Vorgang wurde damals jedoch seitens der Universität nicht publiziert.

Das Team von Correctiv hat durch seinen investigativen Journalismus nicht nur die Inhalte des Treffens entlarvt, sondern auch die Teilnehmer:

  • Roland Hartwig, persönlicher Referent von AfD-Parteichefin Alice Weidel
  • Gerrit Huy, Bundestagsabgeordnete der AfD
  • Ulrich Siegmund, Fraktionsvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt
  • Tim Krause, Vorsitzender der AfD im Kreis Potsdam
  • Simone Baum und Michaela Schneider, beide aus dem Vorstand der Werteunion NRW
  • verschiedene Unternehmer und Mediziner

Der AFD Politiker, René Springer, schreibt später auf X:

„ Wir werden Ausländer in ihre Heimat zurückführen. Millionenfach. Das ist kein #Geheimplan. Das ist ein Versprechen. Für mehr Sicherheit. Für mehr Gerechtigkeit. Für den Erhalt unserer Identität. Für Deutschland."

Den Beitrag löscht er zwar später, dieser gefiel bis zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits über 10.000 Nutzern.

In Reaktion auf die Correctiv-Recherche mobilisierten sich in den letzten Wochen landesweit tausende von Menschen zu Demonstrationen gegen Rechts.

In Düsseldorf findet die nächste Demonstration gegen Rechts und die AfD am Samstag, den 27.01 statt. Die Demonstration angemeldet haben das Bündnis Düsseldorf stellt sich quer (DSSQ) der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Düsseldorfer Appell. Treffpunkt ist am Samstag den 27.01.24 um 12 Uhr vor dem dem DGB Haus Düsseldorf.  an der Friedrich-Ebert-Straße.

Wer gemeinsam mit anderen Plakate für die Demo basteln will, kann das am Freitag den 26.01.24 ab 16:00 Uhr  im Zakk machen. 

 

 

Zu den Recherchen von Correctiv.