Der NDOZ-Wochenrückblick zum 9. Oktober: Was die Stadt bewegt hat – und was über diese Woche hinausweist.
Düsseldorf diese Woche: Was wichtig war, was bleibt
Ein umstrittenes Bettelverbot, neue Pläne für den Medienhafen, der 7. Oktober und drei Düsseldorfer Acts beim popNRW-Preis: Diese Woche hatte viele Ebenen. Dazu kommen ein Eigentümerwechsel an der Kö, neue Nachtfahrten und der Blick auf die kommende Woche.
Freitag in Düsseldorf. Hinter uns liegen Tage, in denen die Stadt in München um Investitionen warb, ein neuer Hochschulcampus im Medienhafen angekündigt wurde, mehr als 700 Menschen vor dem Rathaus gegen Antisemitismus demonstrierten und eine geplante Fünf-Meter-Regel für Bettelnde eine grundsätzliche Debatte über Armut im öffentlichen Raum ausgelöst hat.
Dazu kamen ein starker Abend für Düsseldorfer Musiker beim popNRW-Preis, ein neuer Eigentümer für den Kaufhof an der Kö und Nachrichten, die ganz unmittelbar in den Alltag reichen: neue Nachtfahrten und eine Kampagne gegen Einsamkeit bei jungen Erwachsenen.
Was war wichtig? Was bleibt? Und was lohnt sich am Wochenende?
Expo Real: Düsseldorf meldet mehr Investitionen
Vergangenen Freitag hatten wir an dieser Stelle angekündigt, Düsseldorfs Auftritt auf der Expo Real weiter zu beobachten. Inzwischen ist die Immobilienmesse in München vorbei – und aus der Ankündigung sind konkrete Nachrichten geworden.
Die Stadt meldet wieder mehr Bewegung auf dem Düsseldorfer Immobilienmarkt. Gleichzeitig präsentierte sie auf der Messe zahlreiche Entwicklungsprojekte. Besonders konkret wurde es beim Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz: Es soll künftig auf den EUREF-Campus am Flughafen ziehen.
Der dafür notwendige Mietvertrag wurde zum Auftakt der Expo Real unterzeichnet.

Politisch bleibt allerdings eine Frage offen. SPD/Volt fordert, einzelne langfristige Mietentscheidungen stärker in eine Gesamtstrategie für die Düsseldorfer Verwaltungsstandorte einzubetten.
Was bleibt: Düsseldorf will als Immobilien- und Investitionsstandort wieder stärker wachsen. Gleichzeitig muss die Stadt erklären können, wie ihre eigenen langfristigen Standortentscheidungen zusammenpassen.
WHU im Medienhafen: Ein Campus mit Zieljahr 2034
Noch weiter in die Zukunft reicht eine zweite Nachricht dieser Woche.
Die WHU – Otto Beisheim School of Management will ihre Düsseldorfer Aktivitäten künftig auf einem neuen Campus auf der Halbinsel Kesselstraße bündeln. Die Landeshauptstadt und die Stiftung WHU wollen dafür exklusiv über ein Areal im Medienhafen verhandeln.
Das Zieljahr ist 2034, wenn die WHU ihr 50-jähriges Bestehen feiert.
Noch ist vieles offen. Einen endgültigen Grundstücksvertrag gibt es ebenso wenig wie Angaben zum Investitionsvolumen oder zur endgültigen Architektur. Die bislang veröffentlichten Bilder sind Projektskizzen.

Trotzdem ist die Richtung interessant. Der Medienhafen entwickelt sich seit Jahren weiter: vom ehemaligen Hafen- und Gewerbestandort zu einem Quartier, in dem Unternehmen, Gastronomie, Wohnen, Kultur und Dienstleistungen nebeneinander existieren. Ein großer Hochschulcampus würde eine weitere Funktion hinzufügen.
Was bleibt: Wenn das Projekt tatsächlich umgesetzt wird, bekommt Düsseldorf nicht nur einen neuen Hochschulstandort. Die Verbindung von Wirtschaft, Forschung und Unternehmertum könnte auch den Charakter des Medienhafens weiter verändern.
Betteln in der Altstadt: Fünf Meter, die politisch weit reichen
Die geplante Neufassung der Düsseldorfer Straßenordnung hat in dieser Woche eine grundsätzliche Debatte ausgelöst.
Künftig soll Betteln im Umkreis von fünf Metern um Außengastronomie untersagt werden – unabhängig davon, ob das Betteln aggressiv oder still erfolgt. Aggressives Betteln ist in Düsseldorf bereits heute verboten.
Befürworter der neuen Regel verweisen auf die Interessen von Gastronomie und Gästen. Kritiker aus Politik, Kirchen und Sozialverbänden fragen dagegen, ob damit tatsächlich ein Ordnungsproblem gelöst oder vor allem Armut aus besonders sichtbaren Teilen der Innenstadt verdrängt wird.
Vor der Sitzung des Ordnungs- und Verkehrsausschusses protestierten am Mittwoch auch obdachlose Menschen und Streetworker von fiftyfifty vor dem Rathaus gegen die geplante Verschärfung.
Was bleibt: Die Fünf-Meter-Regel ist noch nicht endgültig beschlossen. Über die neue Straßenordnung soll der Rat am 12. November entscheiden. Bis dahin geht es um mehr als einen Abstand zu Restauranttischen: nämlich darum, wie Düsseldorf mit Armut im öffentlichen Raum umgehen will.
7. Oktober: Mehr als 700 Menschen – und was danach kommt
Am Mittwoch kamen mehr als 700 Menschen vor dem Düsseldorfer Rathaus zusammen. Rund 40 Organisationen, Vereine und Verbände unterstützten die Kundgebung zum Gedenken an die Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 und gegen Antisemitismus.

Unter den Rednerinnen und Rednern waren NRW-Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur sowie Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller.
Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist eine Nachricht. Noch eindringlicher ist aber ein Detail, das Jo Achim Geschke für NDOZ vor Ort festgehalten hat.
Astrid Hirsch-von Borries von der Mahn- und Gedenkstätte berichtete, dass Mitarbeiterinnen wegen Anfeindungen die Polizei darum gebeten hatten, sie nach der Veranstaltung zurückzubegleiten.
Gleichzeitig startete die Landeshauptstadt in dieser Woche die Düsseldorfer Allianz gegen Antisemitismus. Das Netzwerk beginnt mit 26 Mitgliedern aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Bildung, Verbänden und Religionsgemeinschaften und soll weiter wachsen.
Damit bekommt die Frage, was nach einer Kundgebung bleibt, eine konkrete Fortsetzung.
Was bleibt: Eine Kundgebung kann ein Zeichen setzen. Entscheidend ist aber, ob jüdisches Leben und diejenigen, die sich mit jüdischer Geschichte beschäftigen, sich im Alltag dieser Stadt sicher fühlen können – und ob aus einem Bündnis dauerhaft gemeinsames Handeln entsteht.
popNRW: Drei von vier Auszeichnungen gehen an Düsseldorfer Acts
Auch kulturell hatte Düsseldorf in dieser Woche einen besonderen Abend.
Bei der 15. Ausgabe des popNRW-Preises in der Rheinterrasse gewann Boondawg den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis in der Kategorie „Outstanding Artist“. Der Rapper ist in Düsseldorf-Garath aufgewachsen.
Auf Platz zwei folgte Taroug, das Projekt des Düsseldorfer Musikers und Produzenten Tarek Zarroug. Auch bei den Newcomern war Düsseldorf vertreten: Thunder Bae belegte dort den zweiten Platz. Den ersten Preis gewann das Dortmunder Kollektiv Patina Records.

Damit gingen drei der vier ersten und zweiten Plätze an Düsseldorfer Acts.
Interessant ist aber auch hier, was über den Abend hinausgeht. Mit „popNRW Live“ wurde ein neues Förderprogramm vorgestellt. Für Auftritte nominierter Künstlerinnen und Künstler können berechtigte Spielstätten und Veranstalter ab 2027 Zuschüsse von bis zu 80 Prozent der Künstlergagen erhalten.
Was bleibt: Düsseldorf hat eine junge Musikszene, die über die Stadt hinaus wahrgenommen wird. Entscheidend wird sein, ob aus Preisen und Aufmerksamkeit auch dauerhaft mehr Möglichkeiten für die Künstlerinnen und Künstler entstehen.
Außerdem diese Woche in Düsseldorf
Nicht jede Nachricht braucht einen eigenen Artikel. Vier Meldungen sind uns in dieser Woche trotzdem aufgefallen.
Neuer Eigentümer für den Kaufhof an der Kö
Das Kaufhof-Gebäude an der Königsallee hat einen neuen Eigentümer. Die niederländische Redevelop Group hat die Immobilie aus dem Signa-Portfolio übernommen. Galeria soll zunächst Mieter bleiben. Was der neue Eigentümer langfristig mit dem rund 45.000 Quadratmeter großen Gebäude plant, ist bislang offen.
Gerade an dieser Adresse ist das mehr als ein gewöhnlicher Eigentümerwechsel. Die Frage, wie große Warenhausimmobilien künftig genutzt werden, betrifft unmittelbar die Entwicklung der Düsseldorfer Innenstadt.
Zehn Euro für den nächtlichen Heimweg
Düsseldorf und Uber haben am Montag die Initiative „Frauen-Nachtfahrten“ gestartet. Frauen und non-binäre Personen mit Wohnsitz in Düsseldorf können zwischen 22 und 6 Uhr einen Zuschuss von zehn Euro für über die Uber-Plattform vermittelte Fahrten nutzen, die im Düsseldorfer Stadtgebiet starten.
Einsamkeit bei jungen Erwachsenen
Die Stadt richtet ihre neue Kampagne gegen Einsamkeit gezielt an Menschen zwischen 18 und 27 Jahren. Nachdem im vergangenen Jahr Seniorinnen und Senioren im Mittelpunkt standen, richtet das Amt für Soziales und Jugend den Blick diesmal auf eine Altersgruppe, bei der Einsamkeit häufig weniger sichtbar ist.
Millionen für Feuerwehr – Schulbau soll folgen
Düsseldorf erhält aus dem NRW-Infrastrukturprogramm zunächst 15,8 Millionen Euro für neue Feuerwehrfahrzeuge. Für den Neubau des Hallenbads Unterrath hat die Stadt außerdem einen Förderantrag über 31,2 Millionen Euro gestellt.
Für Schulbaumaßnahmen plant die Verwaltung im weiteren Jahresverlauf zusätzliche Förderanträge in Höhe von 76,53 Millionen Euro. Wichtig dabei: Diese Mittel für den Schulbau sind noch nicht bewilligt.
Was am Wochenende kommt
Der Wochenrückblick soll nicht zum zweiten Veranstaltungskalender werden. Dafür gibt es bei NDOZ bereits die laufend aktualisierten Übersichten. Zwei Termine stechen trotzdem heraus.
Am Samstag geht re:publica × New Fall Festival im NRW-Forum und im Ehrenhof in den zweiten Tag. Im Mittelpunkt stehen digitale Gesellschaft, Demokratie, Künstliche Intelligenz, Medien, Wirtschaft und Popkultur. Das Programm ist kostenlos zugänglich.
Am Abend betritt das New Fall Festival Neuland: BOY + Kaiser Quartett spielen um 20 Uhr in der Deutschen Oper am Rhein. Nach Angaben des Festivals wird das Haus damit erstmals zur Bühne für ein Indie-Pop-Konzert.
Praktisch für Samstag: Wer mit dem Auto zum Carlsplatz fährt, sollte die geänderte Verkehrsführung beachten. Die Stadt testet am 10. Oktober zwischen 9 und 17 Uhr eine zweite Variante für die Zufahrt zum Parkhaus. Weitere Testtage folgen am 17., 24. und 31. Oktober.
Und nächste Woche: Düsseldorf hört Podcasts
Die erste ZOON Podcast Week läuft noch bis zum 16. Oktober. Insgesamt stehen 25 Live-Podcasts an verschiedenen Orten der Stadt auf dem Programm.
Am Montag geht es bei „Wirtschaft Düsseldorf unplugged“ in der IHK um Karneval zwischen Brauchtum und Wirtschaft. Am Dienstag ist Bijan Djir-Sarai Gast beim NRW-Politik-Podcast „18 Millionen“, am Donnerstag kommt Leon Windscheid zu „Smarter leben“ und am Freitag ist Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei „Jenseits des Kickers“ zu Gast.
Mehr Termine bei NDOZ
Drei NDOZ-Serien für die nächsten Tage
Kultur, Wirtschaft und Flohmärkte: laufend aktualisiert und direkt aus Düsseldorf.
Was wir weiter beobachten
Vom Immobilienstandort zum internationalen Standortmarketing: Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller fliegt am Samstag nach Shanghai und Suzhou und reist anschließend weiter nach Istanbul. Gemeinsam mit der Messe Düsseldorf und der Wirtschaftsförderung will die Stadt dort für Düsseldorf als Wirtschafts-, Messe- und Investitionsstandort werben.
Mehr zur Reise nach China und in die Türkei →
Politisch interessant wird außerdem der kommende Mittwoch. Im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung stehen unter anderem die Strategie „Zukunft Altstadt/Innenstadt“, die Soziale Erhaltungssatzung für Golzheim, Derendorf und Pempelfort sowie der Bebauungsplan „Östlich Ulmenstraße“ auf der Tagesordnung.
Tagesordnung des Planungsausschusses →
Beim geplanten WHU-Campus beginnen die entscheidenden Gespräche erst. Und über die umstrittene neue Straßenordnung mit der Fünf-Meter-Regel fürs Betteln entscheidet der Rat voraussichtlich am 12. November.
Genau darum geht es bei diesem Wochenrückblick: nicht nur festzuhalten, was passiert ist, sondern zu beobachten, was daraus wird.
Düsseldorf diese Woche. Was wichtig war, was bleibt. Jeden Freitag bei NDOZ.



