Gegen jeden Antisemitismus – rund 700 Menschen kamen zur Kundgebung vor dem Rathaus

Demonstration gegen Antisemitismus und Gedenken an den 7. Oktober 2023

Von Jo Achim Geschke |

Zahlreiche Menschen mit israelischen und weiteren Fahnen bei der Kundgebung gegen Antisemitismus vor dem Düsseldorfer Rathaus am 7. Oktober 2026.
Demonstration gegen Antisemitismus in Düsseldorf

Gegen jeden Antisemitismus: Mehr als 700 Menschen kamen am 7. Oktober zur Kundgebung vor dem Düsseldorfer Rathaus. Foto: Jo Achim Geschke/NDOZ

Mehr als 700 Menschen kamen am 7. Oktober vor dem Düsseldorfer Rathaus zusammen, um der Opfer des Hamas-Angriffs von 2023 zu gedenken und ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Rund 40 Organisationen unterstützten die Kundgebung, bei der unter anderem Mona Neubaur und Oberbürgermeister Stephan Keller sprachen.

Mehr als 700 Menschen folgten dem Aufruf von rund 40 Organisationen, Vereinen und Verbänden aus Düsseldorf, um dem brutalen Überfall der Hamas auf Israel vor drei Jahren zu gedenken, und zugleich ein deutliches Zeichen gegen den erstarkenden Antisemitismus zu setzen. Redner waren die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und Ministerin Mona Neubaur (Grüne), OB Stephan Keller (CDU), der auch Schirmherr des Gedenkens war, die Vorsitzende des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte Henrike Tetz, sowie Rivkah Young, jüdische Organisatorin der Kö-Demos für die Geiseln der Hamas, und Michael Szentei-Heise vom Förderkreis.

Auf dem Platz auch viele Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, Mitglieder der Grünen, SPD, Volt, CDU, Bürgermeisterin Clara Gerlach (Grüne) und Bürgermeister Hinkel (CDU), Vorstand und Mitglieder der Düsseldorfer Jonges, die auch eine Stellungnahme veröffentlicht hatten unter dem Titel:

 

„Antisemitismus hat in unserer Heimatstadt keinen Platz“.

Angst nicht nur bei Juden und Jüdinnen

Vor allem seit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und dem dortigen starken Stimmenzuwachs der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD hat nicht nur bei jüdischen Mitbürger*innen die Angst vor Übergriffen zugenommen. Die AfD erhielt bei der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent der Zweitstimmen; der Landesverband wird vom dortigen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft.

Redner*innen erinnerten auch an den Überfall auf einen Mann am Rheinufer, der eine Kippa trug – auch OB Keller erinnerte daran. Astrid Hirsch-von Borries, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Mahn- und Gedenkstätte, verdeutlichte gegenüber NDOZ.de die Angst, die auch Nicht-jüdische Mitarbeiter:innen der Gedenkstätte haben. Sie hatten wegen der vielen Anfeindungen die Polizei darum gebeten, nach der Veranstaltung zurück geleitet zu werden.

Antisemitismus auch in der Mitte der Gesellschaft

Henrike Tetz vom Förderkreis betonte, dass es Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft sei, sich jederzeit gegen Antisemitismus zu stellen, der sowohl links wie rechts als leider auch in der Mitte der Gesellschaft zu beobachten sei.

Auch OB Keller (CDU) betonte in seiner Rede, dass es nicht um eine einmalige Demonstration gehen könne. Auf diesem Platz und an diesem 7. Oktober entstehe die „Düsseldorfer Allianz gegen Antisemitismus“. Für ihn sei es unerträglich, dass die Kritik an der Politik Israels – gemeint ist die Politik der dortigen Regierung gegen die Menschen in Gaza und den Palästinensern – Menschen hier verantwortlich mache. Der Konflikt in Gaza dürfe nicht in Straßenbahnen, auf der Straße oder auf Schulhöfen ausgetragen werden. Eine Kippa zu tragen oder den Davidstern als Anhänger zu tragen, dürfe niemals zum Risiko in der Gesellschaft werden.

Er betonte das Motto der Kundgebung: „Es ist uns Ernst“.

„Jüdisches Leben gehört zu Düsseldorf und zu Nordrhein-Westfalen.“

Ministerin Mona Neubaur (Grüne) wird in diesem Jahr mit der „Josef-Neuberger-Medaille“ für ihr langjähriges Engagement gegen Antisemitismus und ihr Eintreten für die jüdische Gemeinde ausgezeichnet. Die Verleihung ist für den 29. Oktober vorgesehen.

Sie stellte schon zu Beginn ihrer langen und engagierten Rede klar,

„liebe Mitglieder der jüdischen Gemeinde, ihr seid in Düsseldorf, in Nordrhein-Westfalen nicht alleine!

Wir stellen uns vor Euch, wenn ihr angegriffen werdet, wenn jemand glaubt, euch wegen eures Glaubens angreifen oder diskriminieren zu dürfen ….“

Und „Ihr seid nicht alleine! Jüdisches Leben gehört zu Düsseldorf und zu Nordrhein-Westfalen.“

Rivkah Young, vorgestellt als Aktivistin, ist unter anderem bekannt als die Organisatorin der Kö-Rundgänge „Run for Their Lives“ für die Geiseln der Hamas in Gaza seit 2023. Sie erinnerte in ihrer sehr persönlichen Rede daran, dass vor drei Jahren über 1200 Menschen auf grausamste Art und Weise das Leben genommen wurden.

An diesem Tag wurde vor dem Rathaus deutlich, dass es noch immer täglicher Anstrengung und täglichen Einsatzes bedarf, um gegen den erstarkenden Antisemitismus in Deutschland anzugehen. Aber es wurde auch deutlich, dass es eine große „Allianz“ von Menschen gibt, die gegen den Antisemitismus angehen will.

Die Internetseite des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte:
gedenkstättedüsseldorf.de/veranstaltungen