Kapitalmarkt-Dialog Oktober 2026 | NDOZ × Bethmann HAL: Arndt Sauer über Öl, Inflation, Zinsen, KI, Aktien, Anleihen und Gold.

Mit ruhiger Hand den Risiken trotzen: Sichere Geldanlage in anspruchsvollen Zeiten

Industrieanlage einer Raffinerie mit Rohrleitungen und Kesselwagen im Vordergrund
Raffinerie und Ölindustrie

Teures Öl bleibt ein Risikofaktor für Inflation, Zinsen und Kapitalmärkte. Im Kapitalmarkt-Dialog Oktober 2026 ordnet Bethmann HAL die Folgen für Anleger ein. Foto: Jakub Pabis / Pexels

Teures Öl, steigende Preise, höhere Zinsen: Der Iran-Krieg stellt die Börsen weiter vor Herausforderungen. Warum Kapitalmarkt-Experte Arndt Sauer von Bethmann HAL optimistisch bleibt.

Geldanlegerinnen und -anleger haben erneut ein herausforderndes Vierteljahr hinter sich. Denn das dritte Quartal war wieder von einem anspruchsvollen Zusammenspiel aus Chancen und Risiken geprägt: Gute Nachrichten aus der Tech-Branche und ein solides Wirtschaftswachstum standen auf der einen Seite, Kriege und eine restriktivere Geldpolitik auf der anderen. Wie wird das letzte Vierteljahr?

Der Kapitalmarkt-Dialog von NDOZ und Bethmann HAL mit ihrer Niederlassung in Düsseldorf schafft Orientierung. Wer sein Geld klug investieren und vermehren möchte, kann von wertvollen Einschätzungen profitieren.

Direktor Arndt Sauer leitet die Niederlassung Düsseldorf der Privatbank Bethmann HAL. Hier ist seine Analyse:

 

Der Rückblick

Die US-Wirtschaft zeigte sich in den vergangenen Monaten widerstandsfähig. Das war einem stabilen Arbeitsmarkt, robusten Konsumausgaben und soliden Unternehmensgewinnen zu verdanken. Das Wachstum in Europa blieb dagegen verhalten. Die chinesische Wirtschaft profitierte von Exporten und Investitionen in Zukunftstechnologien. Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhten die Leitzinsen und signalisierten, ihre restriktive Geldpolitik länger beibehalten zu wollen. In der Folge stiegen weltweit die Anleiherenditen und Finanzierungskosten.

Trotz dieser Belastungen erwiesen sich die Aktienmärkte als robust. Nach einer schwächeren Phase zu Beginn des Quartals führten starke Unternehmenszahlen aus den Bereichen Halbleiter, Cloud-Infrastruktur, Software und Rechenzentren zu einer Erholung. Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) entwickelten sich von einer Zukunftsvision zu einem messbaren Treiber von Wachstum und Profitabilität. Die positiven Effekte erfassten eine wachsende Zahl von Branchen.

Zum Kapitalmarkt-Dialog September 2026: Gratwanderung Geldpolitik: Aktien rücken in den Fokus. Aber welche sind die richtigen?

 

Die aktuelle Lage

Insgesamt bleibt das Marktumfeld von den derzeitigen Unsicherheiten geprägt. Zugleich herrscht Zuversicht, dass Innovation, Digitalisierung und Investitionen in Zukunftstechnologien nachhaltige Wachstumsimpulse setzen werden.

Positive Nachrichten kamen im Oktober aus der deutschen Wirtschaft. Laut dem Statistischen Bundesamt haben die Unternehmen hierzulande die Produktion deutlich stärker hochgefahren als erwartet: im August um 2,0 statt 0,5 Prozent. Das bedeutet: Die deutsche Wirtschaft profitiert von steigenden Ausgaben für Verteidigung, Digitalisierung und KI. Und die Bundesregierung hob ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr an. Sie erwartet ein Wachstum von 1,3 Prozent. Im April war sie noch von lediglich 0,5 Prozent ausgegangen.

Der Ausblick

Künstliche Intelligenz als starker Motor, der Konflikt zwischen den USA und Iran als größte Bremse für die Weltwirtschaft: Der Iran-Krieg, die Preissteigerungen und die Reaktionen der Zentralbanken bleiben zunächst die maßgeblichen Einflussfaktoren für Wirtschaft und Kapitalmärkte. Dass sich die Lage an den Energiemärkten kurzfristig normalisiert, erscheint unwahrscheinlich. Vielmehr ist davon auszugehen, dass geopolitische Spannungen und Störungen im Energiehandel die Preise über einen längeren Zeitraum auf erhöhtem Niveau halten.

Gleichzeitig sprechen die hohen Investitionen in KI, Energiewende und Verteidigung dafür, dass wesentliche strukturelle Wachstumstreiber bestehen bleiben und einen Teil der Belastungen kompensieren können. Für die Aktienmärkte wird aber entscheidend sein, ob Unternehmen die hohen Erwartungen an KI durch nachhaltiges Umsatz- und Gewinnwachstum bestätigen. Die aktuellen Unternehmensberichte deuten darauf hin, dass sich der KI-Boom zunehmend im operativen Geschäft niederschlägt. Künftig dürften jedoch weniger Visionen als vielmehr Gewinne und Renditen im Mittelpunkt der Bewertung stehen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine widerstandsfähige, jedoch moderater wachsende Weltwirtschaft als das wahrscheinlichste Szenario.

Die Strategie

Wir gehen davon aus, dass Ölpreise, Inflation und Zinsen länger auf erhöhtem Niveau bleiben. Dies dürfte das Wirtschaftswachstum insbesondere im Jahr 2027 belasten. Die hohen Investitionen in KI, grüne Energie und Verteidigung sollten jedoch ausreichen, um auch im kommenden Jahr in allen wichtigen Regionen Wachstum zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Für das laufende Jahr erwarten wir eine weitere Zinserhöhung. Auch die EZB hat ihren Leitzins im September angehoben; in den kommenden sechs Monaten rechnen wir mit zwei weiteren Zinsschritten.

Für die wesentlichen Anlageklassen heißt das:

Aktien: Der positive Wachstumsausblick für die wichtigsten Regionen stützt unsere konstruktive Einschätzung der Aktienmärkte. Im kommenden Jahr dürfte das Gewinnwachstum im zweistelligen Bereich liegen und sich auf einen breiteren Markt verteilen. Obwohl die Bewertungen weiterhin hoch sind, haben starke Unternehmensgewinne und seitwärts tendierende Märkte das Bewertungsniveau etwas attraktiver werden lassen. Daher halten wir an unserer Übergewichtung von Aktien fest und bevorzugen dabei Schwellenländer sowie die USA.

Anleihen: Die Renditen langlaufender Staatsanleihen sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Steigende Öl- und Gaspreise trieben die Inflationserwartungen und damit die Renditen in den USA, Japan, Deutschland und Frankreich auf Mehrjahreshöchststände. Die Renditeabstände zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen sind gewachsen. Dadurch wird deutlich, dass Anleger eine höhere Verschuldung und Defizite kritisch beurteilen. Diese Entwicklung bestätigt unsere vorsichtige Haltung gegenüber hochwertigen Staatsanleihen. Hochwertige Unternehmensanleihen bleiben dagegen attraktiv, da sie aus unserer Sicht ein günstigeres Risiko-Rendite-Profil bieten.

Gold: Weiterhin gilt: Das Edelmetall trägt zur Diversifikation des Portfolios bei. Es profitiert zugleich von langfristigem Rückenwind.

Das Interview

Frage: Die ersten drei Quartale 2026 waren für Anleger und Anlegerinnen herausfordernd. Wie wird das letzte Vierteljahr?

Arndt Sauer: Auch die nächste Zeit dürfte anspruchsvoll werden. Nehmen wir die allgemeine Preisentwicklung: Im Euroraum dürfte bei der Inflationsrate nach Einschätzung von Bethmann HAL bis zum Frühjahr eine Drei vor dem Komma stehen bleiben – trotz des Tankrabatts in Deutschland. Denn wegen des Iran-Kriegs bleiben die Energiepreise vorerst auf hohem Niveau. Deshalb erwarten wir weitere Zinsschritte der US-Notenbank und der EZB.

Frage: Wohin geht denn dann die wirtschaftliche Entwicklung: nach oben oder nach unten?

Arndt Sauer: Die geopolitischen Unsicherheiten, das teure Rohöl und das hohe Zinsniveau belasten zwar die Kapitalmärkte. Aber neben den Risiken bleiben auch Chancen. So zeigt sich die Weltwirtschaft weiterhin robust. In Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz, grüne Energie und Verteidigung wird kräftig investiert. Deshalb erwarten wir weiterhin, dass die wichtigsten Volkswirtschaften wachsen werden.

Frage: Was bedeutet das konkret für die aktuelle Positionierung am Kapitalmarkt?

Arndt Sauer: Auch in unsicheren Zeiten ist bei der Geldanlage eine ruhige Hand gefragt. Als Behmann HAL sind wir bei Aktien weiterhin positiv eingestellt und bevorzugen dabei Papiere aus den USA und Schwellenländern. Daneben setzen wir auf hochwertige Unternehmensanleihen. Bei Gold bleiben wir übergewichtet.

 

Über die Bethmann HAL

Die Privatbankmarke Bethmann HAL ist Teil der ABN AMRO Deutschland und zählt zu den drei größten Anbietern von Wealth Management in Deutschland. Sie vereint die jahrhundertelangen Privatbankkulturen der Vorgängerinstitute Bethmann Bank und Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) und deren herausragende Expertise bei der Betreuung großer und komplexer Vermögen. Neben einem umfassenden Angebot in der Vermögensverwaltung bietet Bethmann HAL ein Wertpapier-Beratungsgeschäft, Zugang zu Private Assets wie Private Equity und Immobilien sowie einen Wealth Planning-Ansatz, der die individuelle Vermögungssituation nach Kundenpräferenzen und über alle Asset-Klassen und Generationen hin optimiert. Eine besondere Expertise besteht im Bereich E&E (Entrepreneur & Enterprise): Die ganzheitliche Betreuung von mittelständischen Unternehmern sowohl mit Blick auf ihre familiäre als auch auf ihre unternehmerische Vermögenslage durch integrierte Teams aus dem Wealth Management und Corporate Banking der ABN AMRO ist in dieser Form ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Markt. Bethmann HAL verfügt über Assets under Management (AuM) von mehr als 70 Mrd. Euro und ist an 17 Standorten in Deutschland präsent.

 

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