Corona-Aktuell, 100.000 Impfungen verabreicht. Ein Kommentar

Impfstoff für Hausärzte wird verlost – Warnungen vor Überlastung dennoch an Öffnungen gedacht

Von Jo Achim Geschke

100.000 Impfung  / Foto (c) D.LIVE
100.000 Impfung / Foto (c) D.LIVE

100.000 Impfung: Horst Höhmann (86) in Begleitung seiner Frau sowie Laura Becker (Projektleiterin D.Live), Thomas Tremmel (links, Projektleiter Feuerwehr) und Dr. Henryk Wroblevski, einer der leitenden Ärzte / Foto (c) D.LIVE

Wissen Sie, auf was die Hausärzte und ihre Patienten warten? Darauf, dass sie in der Impfverlosung gewinnen: Der Impfstoff für die Hausärzte wird verlost, versichert eine Praxis NDOZ.de gegenüber. Ein Beispiel für die Unsinnigkeiten und bürokratisches Schneckentempo beim Impfen durch Land und Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein. NRW hinkt hinterher in Deutschland, was das Impfen angeht.

OB Dr. Stephan Keller und Stadtdirektor Burkhard Hintzsche stellten Freitag in Düsseldorf ein neues städtisches Video-Format zu Corona vor, dass jetzt jede Woche aktuell kommen soll. Sicherlich nötig, verbreiten sich doch immer mehr gefährliche Virus-Mutationen in Düsseldorf, aber dennoch wird über Öffnungen geredet.

Knapper Impfstoff – 79-Jährige und Lebenspartner:innen sind dran
Im April sollen nun die Menschen der Prioritäten-Gruppe 2 geimpft werden, also unter anderem auch Polizist:innen – wenn denn der knappe Impfstoff geliefert wird, dafür sind Land, Bund und KV Nordrhein zuständig.

Ab 8. April sollen die unter 80-Jährigen geimpft werden, zunächst die 79-Jährigen, Laut Stadtdirektor und Krisenstabsleiter Hintzsche etwa 6000 Menschen. Es soll laut Land und KV nach Jahrgang geimpft werden, angefangen eben mit den 79-Jährigen. Wann es mit den Impfungen bei den Hausärzten los geht, hängt davon ab, wieviel Impfstoff den Praxen zugeteilt wird.

Laut OB Dr. Keller ist bei den meisten Infizierten die britische Mutation B 117 festgestellt worden, aber auch auf die Mutante aus Südafrika wurde vereinzelt positiv getestet.

Unverständlicher Öffnungs-Drang

Düsseldorf hat heute (Freitag) laut Stadt einen Inzidenzwert von knapp 92. Aktuell sind 900 Menschen infiziert. Die Altersstruktur der Infizierten zeigt, dass es immer mehr Jüngere trifft, die meisten sind zwischen 15 und 34 und 35 bis 59 Jahre alt. Die Inzidenzwerte steigen, für Gesamtdeutschland liegen sie bereits über 100.

Laut OB Dr. Keller hat sich die Stadt allerdings für ein Modelprojekt beworben, nachdem es zum Beispiel für Theater und andere Kultureinrichtungen und andere Bereiche  eine Öffnung geben soll. Noch ist nicht entschieden, ob Düsseldorf eine der Modelkommunen wird – mehrere Medien berichten vorab, dass die Landeshauptstadt nicht dabei ist. Fast alle Kommunen, die sich bewarben, haben eine Inzidenz über 100. Das macht nachdenklich.

Sogar Bundesgesundheitsminister Jens Spahn CDU warnte am Freitag, dass das Gesundheitssystem inklusive der hoch belasteten Intensivstationen an die Grenze kommt, bzw. diese Grenze schon im April überschritten werden kann. Da kommen einem Bilder aus Italien hoch.

Der renommierte Epidemiologe Karl Lauterbach MdB SPD warnt und plädiert für einen harten Lockdown. Warum trotz Warnungen von allen Seiten jetzt Überlegungen zur Öffnung um sich greifen, ist kaum nachzuvollziehen. Wenn Menschen einer schweren Krankheit überdrüssig sind, kann auch kein Arzt sagen: OK, wir machen jetzt mal Pause. Ein Virus oder eine schwere Entzündung pausiert nicht, nur weil wir die Schnauze voll haben vom Lockdown, oder weil Politiker:innen Angst haben, Wähler:innen zu verlieren.

Wir müssen alle lernen, dass dieses Virus und seine gefährlichen brasilianischen und britischen Mutationen keine Pause und keine Gnade kennen. Und wir müssen lernen, dass wir bis zu einer effektiven Impfung mit diesen Einschränkungen leben müssen. Wenn ich gegen Sonnenlicht allergisch bin, kann ich mich schlecht an den Strand legen und schreien, "mir reichts".

Aber wir alle dürfen durchaus fordern, dass ausreichend Impfstoff vorhanden ist, um schnell und zügig alle Risiko-Gruppen wie die 70 plus, die Lehrer und auch die Jugendlichen impfen zu können. Wenn ein Arzt im Fernsehen sagt, er habe bei einer Impfung noch nie so viel Papier ausfüllen müssen, wie bei einer Corona-Impfung, dann zeigt das eins: Die Bürokratie bremst uns aus. Es geht ganz sicher auch anders. Schließlich sind andere Länder und andere Bundesländer weiter als NRW.

100.000 Impfung – aber NRW hinkt hinterher
In Düsseldorf wurde heute, am Freitag den 26. März, die 100.000ste Impfung gegen das Coronavirus verabreicht. Horst Höhmann (86 Jahre) hat in Begleitung seiner Frau das Impfzentrum Düsseldorf besucht und die Spritze erhalten. Dazu haben ihm Laura Becker (D.Live-Projektleiterin im Impfzentrum), Thomas Tremmel (Projektleiter Impfzentrum Feuerwehr Düsseldorf) und Dr. Henryk Wroblevski, einer der leitenden Ärzte des Impfzentrums, gratuliert (siehe Foto).

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller: „Sobald mehr Impfstoff durch das Land zur Verfügung gestellt wird, können wir die Schlagzahl im Impfzentrum weiter erhöhen und dadurch noch schneller jeder Düsseldorferin und jedem Düsseldorfer ein Impfangebot unterbreiten. Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Beteiligten, die mit vollem Einsatz zur erfolgreichen Arbeit des Impfzentrums beitragen."

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche ergänzt: "Wir sehen in Düsseldorf eine hohe Impfbereitschaft und eine große Termintreue bei den Impfberechtigten. Nur vereinzelt werden Impftermine abgesagt oder nicht wahrgenommen, diese aber dann unmittelbar anderen Impfberechtigten zur Verfügung gestellt. Vorhandene Restimpfdosen werden nach einer Überhangliste spontan an Impfberechtigte der entsprechenden Priorisierungsgruppe verimpft, so dass in Düsseldorf kein Impfstoff verfällt."

Lockdown verlängert bis 18. April

Während des erneut von den Ländern und der Kanzlerin verlängerten Corona-Lockdowns bis einschließlich 18. April bleiben auch die Dienststellen der Stadt weitestgehend geschlossen. Die Dienstleistungen der Stadtverwaltung werden - soweit möglich - über das Online-Angebot und über Notdienste in eingeschränkter Form fortgeführt. Das Amt für Einwohnerwesen bearbeitet ab sofort nach Terminvergabe Melderegister- und Passangelegenheiten.

Mehr als 180 Teststationen für kostenlose Bürgertestungen sind mittlerweile im Stadtgebiet vorhanden.

Mit einer interaktiven Karte unter https://corona.duesseldorf.de/schnelltest-karte können sich Interessierte jetzt einen Überblick über die mehr als 180 verzeichneten Schnelltestmöglichkeiten verschaffen, die einer Nennung auf dem Corona-Portal zugestimmt haben. Neu hinzugekommen ist eine Drive-in-Schnellteststation am ISS DOME. Über das städtische Buchungssystem https://corona.duesseldorf.de/schnelltest können Interessierte bequem online einen Termin buchen. Zudem werden Testergebnisse von Schnelltests an der Mitsubishi Electric Halle seit Donnerstag, 25. März, auf Wunsch auch digital ausgegeben.