Öffnung trotz möglicher Überlastung?

OB Keller will öffnen - Gefahr voller Intensivstationen

Von Jo Achim Geschke

 "Düsseldorf hält zusammen - mit Abstand und Maske"

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller vor einem der Motive zur Kampagne "Düsseldorf hält zusammen - mit Abstand und Maske" Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanin Zanin

Öffnen und Aussetzen der Notbremse, obwohl die Krankenhäuser in Düsseldorf schon sehr bald an die Grenze kommen könnten? In der jetzt wöchentlichen Pressekonferenz berichtete OB Dr. Keller (CDU), dass die Zahl der Intensiv-Patient:innen in den hiesigen Kliniken steigen könnte. Dennoch hält er als Verwaltungschef daran fest, dass am Mittwoch nach Ostern einzelne Bereiche durchaus geöffnet werden können, als Modellprojekt etwa Öffnungen im Bereich Einzelhandel erlaubt werden.

Der Inzidenzwert für Düsseldorf  lag bereits  einmal bei 100 und läge jetzt bei 96,6, so OB Dr. Keller gestern in der Mittwochs-Pressekonferenz. 86 Patient:innen lägen in Krankenhäusern, auf den Intensivstationen 30  Schwerkranke – Tendenz steigend. „Wir stehen im engen Kontakt mit den Krankenhäusern,“ so Dr. Keller,  ein Patient sei bereits wegen der nötigen Beatmung in ein Nachbarkrankenhaus transportiert worden.

Ohne Maske unterwegs
Der OB verweist dabei auch darauf, dass in der Altstadt und am Rhein  am sonnigen Wochenende wieder viele ohne Maske und ohne Abstand zueinander unterwegs gewesen seien. Die Stadt werde daher eine Kampagne starten mit Hinweisen in der Stadt „Düsseldorf hält zusammen mit Abstand und Maske“.

Die Menschen sind unvernünftig, sagt also auch OB Dr. Keller, tragen keine Maske und halten keinen Abstand. Doch, obwohl er um die Unvernunft und die damit einhergehende Infektionsgefahr  weiß, will sich OB Dr. Keller eine Öffnung im Einzelhandel nach Ostern offenhalten. Man werde die Situation in Krankenhäusern beobachten und mit Blick auf einen Inzidenzwert unter 100 nächsten Mittwoch entscheiden, so OB Dr. Keller.

Er liegt damit auf der Linie von NRW Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und dessen Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart FDP. Während Experten wie Christian Drosten oder Epidemiologe Karl Lauterbach MdB (SPD) einen strikten Lockdown fordern, weil die Mutante B117 und weitere Mutanten vor allem junge Menschen infizieren, gehen Laschet und Pinkwart (FDP) zugunsten des Einzelhandels auf Öffnungskurs.

Die Meinung, die Bevölkerung wolle das, ist aber wohl ein Irrtum, etliche Umfragen besagen, dass eine Mehrheit durchaus vernünftig ist und keine Öffnungen will, damit man diese elende Pandemie endlich hinter sich. Das hat ja durchaus Vorbilder, etwa Neuseeland: Die sehr beliebte Ministerpräsidentin Jacinda  Ardern (40) hat das Land mit einem eisernen Lockdown den Inselstaat bis auf wenige Infekte fast Corona-frei gehalten.

Klar ist, dass die neuen Mutationen des Sars-Virus aus England, Südafrika und Brasilien wesentlich ansteckender und gefährlicher sind. Die britische Variante B 117 soll bereits bei über 80 % der Infektionen nachgewiesen sein. Erste Studien besagen bereits, dass die bisherigen Impfstoffe bei manchen nicht wirken. Vor allem jüngere Menschen bis hin zu Jugendlichen stecken sich jetzt an.

Impfungen jetzt mit BioNTec - Astrazenica heißt jetzt Vaxzevria

Das Land ist zuständig für den Nachschub und hat zugesichert, berichtete Stadtdirektor Burkhard Hintzsche, dass zum 1. April vom Impfstoff BioNTec/ Pfizer ausreichend vorhanden sein werde, auch für die notwendige 2. Impfung.

Die Impfung mit Astrazeneca werde ausgesetzt nach den Vorfällen mit Trombosen. Die britisch-schwedische Firma hat den Namen des Impfstoffs inzwischen geändert, seitdem heißt er Vaxzevria.

Hintzsche verwies darauf, dass Schnelltests auch über Ostern möglich sind.
Wirtschaft, Einzelhandel und Kultur, so der Stadtdirektor, könnten eventuell mit Öffnungen rechnen, in der Kultur vor allem große Häuser. Die Bewerbung der Stadt werde jetzt noch einmal überarbeitet, etwa auf Einzelobjekte wie Tonhallen-Konzerte, so Hintzsche.