Kurz vor der großen Kundgebung am Corneliusplatz rückt die Wohnungskrise ins Zentrum – mitten in einer heißen Wahlkampfphase um Rat und Oberbürgermeister:in.

Wohnungskrise in Düsseldorf: Protest am Corneliusplatz und SWD-Projekte vor der Kommunalwahl

Ernst-Derra-Straße: 21 öffentlich geförderte Wohnungen mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach – ein Beispiel für die SWD-Initiativen gegen Wohnungsnot und für Klimaschutz. / Foto: SWD
Ernst-Derra-Straße: 21 öffentlich geförderte Wohnungen mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach – ein Beispiel für die SWD-Initiativen gegen Wohnungsnot und für Klimaschutz. / Foto: SWD

Ernst-Derra-Straße: 21 öffentlich geförderte Wohnungen mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach – ein Beispiel für die SWD-Initiativen gegen Wohnungsnot und für Klimaschutz. / Foto: SWD

Ende August, die Hitze steht in der Stadt – und auch der Wohnungsmarkt brennt. Wer in Düsseldorf eine Wohnung sucht, stößt auf steigende Preise, zu wenig Angebote und schwindenden sozialen Wohnraum. Am 14. September wird gewählt. Doch schon am kommenden Samstag, dem 30. August, ruft das Bündnis „Wir wollen wohnen!“ zur Protestkundgebung auf dem Corneliusplatz. Die Frage nach bezahlbarem, nachhaltigem Wohnraum ist längst zur Schicksalsfrage geworden – und zu einem wahlentscheidenden Thema. Gleichzeitig verweist die SWD in ihrer aktuellen Pressemitteilung auf neue Bauprojekte und Solarenergie als Teil der Lösung.

Wohnungsmarkt unter Druck – und wachsender Ärger

Nach Angaben des Bündnisses „Wir wollen wohnen!“ und der Empirica-Preisdatenbank sind die Angebotsmieten in Düsseldorf seit 2021 um 24 % gestiegen. Die Leerstandsquote liegt demnach mit 1,59 % deutlich unter dem, was Fachleute als gesunden Wert ansehen. Zudem prognostiziert eine Studie der NRW-Bank, dass bis 2030 fast die Hälfte der geförderten Wohnungen ihre Mietpreisbindung verlieren wird – ein dramatischer Einschnitt für viele Familien, junge Menschen und Beschäftigte.

„Das Thema Wohnen gehört ganz oben auf die kommunalpolitische Agenda“, betont Hans-Jochem Witzke, Sprecher des Bündnisses und Vorsitzender des Mietervereins Düsseldorf. „Wer zur Kommunalwahl antritt, muss sagen, wie er oder sie bezahlbares Wohnen sichern will und kann nicht nur auf Bund und Land verweisen.“

Auch soziale Einrichtungen und Gewerkschaften schlagen Alarm.

„Zu uns kommen immer mehr Menschen, die mit ihren Wohnkosten überfordert sind. Prävention gegen Wohnungsverluste muss Vorrang haben“, fordert Pater Wolfgang Sieffert von der Altstadt-Armenküche laut Pressemitteilung.

Und Sigrid Wolf, NRW-Landeschefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, warnt: „Beschäftigte und Auszubildende finden kaum noch Wohnungen – das verschärft den Fachkräftemangel.“

Protest als Signal – Kundgebung am Corneliusplatz

Um die Dringlichkeit zu unterstreichen, ruft das Bündnis „Wir wollen wohnen!“ für den 30. August zur öffentlichen Aktion auf dem Corneliusplatz auf. Aktivist:innen, Mieter:innen und Unterstützer:innen wollen dort ein deutliches Signal setzen: Wohnen ist keine Ware, sondern Grundrecht. Die Aktion fällt mitten in die heiße Wahlkampfphase – die Erwartungen an den neuen Stadtrat und die künftige Stadtspitze sind entsprechend hoch.

SWD setzt auf Photovoltaik und Neubau

Parallel dazu verweist die städtische Wohnungsgesellschaft SWD in ihrer Pressemitteilung vom 27. August auf Investitionen in zukunftsfähigen Wohnraum: Bereits drei neue Mehrfamilienhäuser sowie die SWD-Zentrale sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

  • Ernst-Derra-Straße (Nähe UKD): 21 geförderte Wohnungen, Baukosten 6,5 Mio. €, PV-Leistung 38 kWp, bis zu 38.280 kWh Strom jährlich.
  • Talstraße 76 (Friedrichsstadt): 14 geförderte Wohnungen, PV-Leistung 29,7 kWp, Jahresproduktion 30.628 kWh. Ein Batteriespeicher erhöht die Unabhängigkeit vom Netz. Investition: 3,8 Mio. €.
  • Hansaallee 270–276: 46 geförderte Wohnungen, PV-Leistung 30 kWp, bis zu 30.000 kWh Strom jährlich.

Auch das Dach der SWD-Zentrale liefert seit August Strom: Laut SWD produziert die Anlage 21.256 kWh pro Jahr und deckt damit rund 25 % des Eigenbedarfs.

Insgesamt erzeugen die Anlagen nach Angaben der SWD schon heute rund 120.000 kWh jährlich. Bis Frühjahr 2026 soll die Produktion auf 390.000 kWh steigen – ein Beitrag zur städtischen Klimaneutralität bis 2035.

SWD-Bestand und neue Projekte im Überblick

Neben den Solar-Initiativen verweist die SWD auch auf ihren Gesamtbestand: Laut Unternehmensangaben umfasst er aktuell über 8 500 Wohnungen in Düsseldorf. Besonders im Fokus steht dabei das laufende Bauprojekt in Vennhausen (Chemnitzer Straße): Dort entstehen bis Ende 2025 44 neue, barrierefreie Wohnungen, wovon 24 öffentlich gefördert und 20 frei finanziert sind. Das Investitionsvolumen liegt bei 15,25 Mio. €. Für die SWD ist dieses Projekt ein Baustein in ihrer langfristigen Strategie, bezahlbaren Wohnraum und Klimaschutz zu verbinden. (Quelle: SWD)

Zum Vergleich: Die Stadt Wien besitzt rund 220.000 Gemeindewohnungen. Diese Zahl entspricht etwa einem Viertel aller Wohnungen in der Stadt und 31 % der Wiener leben im Gemeindebau. Die Wohnungen werden von der kommunalen Hausverwaltung Wiener Wohnen verwaltet. Es gibt also Luft nach oben. Der Vergleich ist eventuell ein wenig unfair, da in Wien bereits 1919 die Grundsteine für die ersten Gemeindebauten gelegt wurden. Auf der anderen Seite hat auch der gemeinnützige Wohnungsbau in Düsseldorf eine lange Geschichte. Die DWG  wurde schon 1898 gegründet und die WFD 1950. Von Wiener Verhältnissen sind wir dennoch weit entfernt.

Kritische Einordnung: Klimaschutz ja – aber löst das die Wohnungsnot?

So positiv die Photovoltaik-Projekte auch sind – sie ändern wenig an der akuten Lage für Wohnungssuchende. Während hunderte Wohnungen jährlich aus der Sozialbindung fallen, entstehen bislang nur vereinzelt Neubauten mit bezahlbaren Mieten. Die SWD verweist auf Nachhaltigkeit und sinkende Energiekosten, da die Photovoltaik-Projekte günstigen Strom liefern, den Mieterinnen und Mieter sowie die SWD selbst nutzen können (Mieterstrom). Ob sich das für die Mieter rechnet, wissen wir nicht, denn wenn die Modernisierungsmaßnahme sowie einige laufende Kosten für die Photovoltaik auf die Mieter umgelegt werden, steigen im Gegenzug auch die Mieten und Nebenkosten. 

Das Bündnis „Wir wollen wohnen!“ betont: Für viele Mieter:innen entscheidet nicht die Stromrechnung, sondern ob sie überhaupt eine Wohnung finden. Der Kontrast zwischen Protest am Corneliusplatz und Solarzellen auf den Dächern macht deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven auf die Krise sind.

Wahl am 14. September – Richtungsentscheidung für Düsseldorf

Am 14. September stimmen die Düsseldorfer:innen über die Zusammensetzung von Rat, Bezirksvertretungen und Oberbürgermeister:in ab. Dass die Wohnungspolitik im Mittelpunkt steht, zeigt sich auch in den Wahlprogrammen: Während SPD-Kandidat Fabian Zachel und Grünen-Spitzenfrau Clara Gerlach mehr geförderten Neubau fordern, verweist Amtsinhaber Stephan Keller (CDU) auf die Initiativen der SWD-Gruppe, die sich dafür einsetzt, dass in der Landeshauptstadt auch Menschen mit mittleren und kleineren Budgets ein Zuhause finden. Schon jetzt ist klar: Die Wohnungspolitik wird mit wahlentscheidend sein.

Quelle: Pressemitteilungen „Wir wollen wohnen!“ und SWD, 27.08.2025 / Projektseite SWD Vennhausen

 

Über das Bündnis „Wir wollen wohnen!“

Das NRW-weite Aktionsbündnis vereint große Verbände wie den Deutschen Mieterbund NRW, den DGB, Caritas NRW, die Arbeiterwohlfahrt (AWO), den Paritätischen Wohlfahrtsverband sowie den Sozialverband VdK. Ziel ist es, den Erhalt und Ausbau von bezahlbarem Wohnraum zu sichern und auf eine stärkere soziale Wohnungspolitik in den Kommunen hinzuwirken. Merh Info: www.wir-wollen-wohnen-nrw.de