Initiative Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf

Enorme Anteilnahme: Flüchtlingsinitiative muss sich neu organisieren

Von Jo Achim Geschke |

Ergebnisvorstellung Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf im Zakk / Foto Jo Geschke NDOZ.de

Die Anteilnahme am Schicksal der Flüchtlinge ist enorm und die Fragen „Wie kann ich helfen?“ in Düsseldorf sind so häufig, dass sich die größte ehrenamtliche Initiative für die Hilfe an Flüchtlingen neu organisieren muss. Erst Anfang des Jahres wurde „Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf“ von wenigen Menschen (mit Beteiligung von NDOZ.de und „Stay!“) gegründet, haben die Anfragen von Bürgern und die Aufgaben der Ehrenamtlichen rasant zugenommen. Die Internetseite der Initiative hatte seit Frühjahr mehr als 1,2 Millionen Aufrufe, die facebook-Seite eine „Reichweite“ von knapp 180.000 (das ist mehr als die facebook-Seite von „Düsseldorf.de“, berichtete Mitgründerin Hildegard Düsing-Krems).

 Daher musste jetzt für „Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf“ eine neue Struktur her, damit die ehrenamtliche, überparteiliche Hilfe für Flüchtlinge effektiver organisiert wird  und Unterstützung schneller bei den Geflüchteten ankommt.  „Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf “ ist dabei eine Begleitung, eine Unterstützung der hauptamtlichen Arbeit der beteiligten Wohlfahrtsverbände und der Flüchtlingsbeauftragten der Stadt. Die ehrenamtlich tätigen beantworten E-Mails mit Fragen zu Hilfen, etwa wo Kleidung oder Spielzeug abgegeben werden kann, sie beantworten Fragen am Telefon, und die Ehrenamtlichen machen klar, was gebraucht wird und vor allem, an welcher Flüchtlingsunterkunft oder an welchen Kleiderkammern oder Sammelstellen es abgegeben werden kann. Und auch, welche Dinge zurzeit nicht mehr benötigt werden. Das alles ist möglich durch eine Vernetzung auf Facebook und einer eigenen Internetseite (Links siehe unten). So kamen innerhalb kürzester Zeit – manchmal innerhalb von Stunden - beispielsweise mehrere Kinderwagen, Buggys, Laptops und mehr für Flüchtlinge zusammen. Vor kurzem hat sich auch eine Gruppe zur Hilfe für Flüchtlinge in Eller gegründet, Gruppen in Golzheim (z.B. bei der Tersteegengemeinde) oder  für die Renovierung der Unterkunft Lacombletstraße (NDOZ.de berichtete) und sehr Aktive in Gerresheim haben sich längst gebildet.

Bei einem Treffen von rund 80 (von Hunderten) Düsseldorfern, die helfen wollen, hatten die Aktiven von „Flüchtlinge in Düsseldorf willkommen“ wie Hildegard Düsing-Krems, Andreas Vollmert, Birgit Keßel und anderen mit Hilfe von Kommunikationsprofis wie Christiane Amini und der Agentur „publicplan“ mit Christian und Lara Knebel eine Arbeitsstruktur in Gruppen aufgebaut, die innerhalb von etwas mehr als einer Stunde am Montag zu veritablen Ergebnissen führte.

Die Helfer äußersten in Gruppen ihre Wünsche und Vorstellungen für die kommende Zusammenarbeit, und eine neue Internetseite mit mehr Service für die Düsseldorfer, die helfen wollen, geht demnächst an den Start.

Das Problem der alten Strukturen in den Institutionen und Verbänden

Es gab aber auch Kritik an den bisherigen Strukturen. Klar ist: Die Wohlfahrtsverbände wie Diakonie, DRK, AWO und Caritas, die Flüchtlingsunterkünfte betreuen,  leisten eine Aufgabe, die durch die zunehmende Zahl der Flüchtlinge immens gewachsen ist. Die Anfragen der Bürger aus den Gruppen, ob von der „Bürgerstiftung Gerricus“ oder der Initiative  „Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf“, werden jedoch manchmal erst nach Tagen beantwortet, so die Kritik. Das liegt allerdings nicht daran, dass mit wenigen Menschen bei der AWO, beim DRK oder der Diakonie eine große Aufgabe bewältigt werden muss.

Die bürgerschaftliche Initiative „Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf“ ist auch ein Beispiel, wie sich Institutionen und auch Parteien umstellen müssen. Bürger organisieren sich heute außerhalb der alteingesessenen und eingefahrenen Strukturen. Sie werden nicht Teil oder Mitglied  dieser überkommenen und vielleicht überholten Organisationsstrukturen, gehen nicht zur Diakonie oder in Parteien. Bürger organisieren sich über soziale Netzwerke, in kleineren Gruppen – oft auch bezogen auf den Stadtteil  wie etwa in Eller oder Gerresheim. Dort handeln sie so, dass ihre Aktionen auch politisch wirken – also von außen auf Institutionen und Verwaltungen zukommen - und diese zum Reagieren drängen.

Das aber bringt einige Institutionen und Wohlfahrtsverbände (gerade bei der riesig wachsenden Betreuung der Flüchtlinge) aus dem Takt. Sie müssen nicht mehr mit Stadtverwaltung (die ja die Betreuung bezahlt) und mit politischen Parteien zusammen arbeiten wie in den vergangenen Jahren, sondern mit ganz real fragenden Bürgern. Doch das passt oftmals nicht  in die seit Zig Jahren alteingesessenen Strukturen. Dafür sind die bisherigen Denkweisen und das bisherige Selbstverständnis nicht ausgelegt. Der Erfolg und die Zahlen der Zugriffe auf die Internetseite der Initiative sprechen allerdings eine klare Sprache: Allein in einer Woche mehr als 180.000 Aufrufe der Internetseite, tägliche Dutzende Anfragen per E-Mail, und immer eine schnelle Vermittlung von ganz praktischen Hilfen. Eine Arbeit, die neben den Jobs der Einzelnen geleistet wird.

Unverständlich, warum eine solche Gruppe nicht am „Runden Tisch Asyl“ der Stadt mit zwei Vertretern offiziell teilnehmen kann. Auch die Stadt wird sich also bei ihrer Zusammenarbeit mit der enorm effektiven Initiative umstellen müssen.

 Links:

Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf - fluechtlinge-willkommen-in-duesseldorf.de/

Flüchtlinge sind in Düsseldorf willkommen auf Facebook -

www.facebook.com/WillkommenInDuesseldorf

Die Seite der Flüchtlingsbeauftragten der Stadt:

www.duesseldorf.de/fluechtlingsbeauftragte/index.shtml