15.09.2020
Die OB Wahl und die Ratswahl – eine umfangreiche Analyse

Geisel und Keller in der Stichwahl, Grüne gewinnen viel hinzu – Analyse der Wahl 2020

Thomas Geisel SPD und Stefan Engstfeld Grüne am Wahlabend / Foto © Jo Achim Geschke

Im Schauspielhaus läuft bis 18 Uhr „Volksfeind for Furure“, in dem Jugendliche klar machen, dass sie wegen des Klimawandels nicht mehr die alten Wege der Alten gehen wollen. Im Rathaus schauen ab 18 Uhr die Parteien auf die Ergebnisse der Kommunalwahl und der OB-Wahl 2010. Erst spät wird klar, welche Partei wie für den Rat, die Bezirksvertretungen gewählt wurde und wie die Ergebnisse bei der OB Wahl aussehen. Bei der Wahl zum Oberbürgermeister gehen Stefan Keller CDU und OB Thomas Geisel in die Stichwahl. OB Geisel erhielt wesentlich mehr Stimmen als die SPD für den Rat. Die Grünen holten bei der Wahl zu den Bezirksvertretungen die Mehrheit in den Stadtbezirken 1 bis 3, die SPD holte bei der Ratswahl nur einen Rats-Direktkandidaten (Burkhard Albes) und ist dritte Fraktion nach CDU und Grünen.

Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 52 % - was bedeutet, dass nur noch die Hälfte der Düsseldorfer*innen Interesse an der Kommunalpolitik gezeigt hat. Woher informieren sich Düsseldorfer*innen? In Printmedien nur einige. Und dass Medien und Journalist*innen plötzlich bei Themenauswahl und Überschriften völlig unabhängig schreiben können, ist eine Mär. In Düsseldorf gibt es rund 340.000 Haushalte, davon 52 Prozent Single-Haushalte, meist weiblich. Die Auflagen der RP, die Inhalte auch in der NRZ Düsseldorf und jetzt auch der WZ Düsseldorf dominiert, liegen bei rund 68.000 Abos, NRZ und WZ bei 9000 und 3000 Abonnenten. Heißt: Ein Großteil vor allem der Wähler*innen informiert sich gar nicht mehr über Zeitungen, und gute Sendungen wie WDR Lokalzeit oder Aktuelle Stunde (die auch zu stark auf boulevardeske Themenauswahl setzen, aber das nur am Rand).  Dafür kann aber jeder in der Bahn sehen, wie Menschen im Smartphone lesen oder Videos schauen. Die Frage ist also, wie gut informiert Düsseldorfer*innen sind.

In die Stichwahl um den OB gehen am 27. September Thomas Geisel und Stefan Keller. Amtsinhaber Geisel hat bei der OB Wahl rund 64.000 Stimmen erhalten, Keller rund 83.400 Stimmen, der Grüne Kandidat Stefan Engstfeld 43.463 Stimmen und Strack-Zimmermann FDP noch rund 30.500 Stimmen. Geisel muss also rund 19.000 Stimmen aufholen bis zur Stichwahl in zwei Wochen.

Dabei ist die Frage, wem die Grünen Wähler*innen ihre Stimmen geben werden: Eher dem Konservativen mit seiner Politik für Auto und Parkplätze  oder dem SPD-Kandidaten, der im Rathaus eher eine moderne Klimapolitik und Verkehrswende durchsetzen will. Eine grüne Politik mit der CDU, die so vehement für Autoverkehr eintritt, scheint allerdings kaum möglich. Zudem hat vor kurzem der bekannte Jan Böhmermann im Twitter über die Kölner Politik geplant, wo Keller zweiter Mann ist: „Köln ist eine schreckliche Autohölle. Die Stadt hat sich komplett einem Verkehrskonzept von vor fünfzig Jahren unterworfen. Autos, Autos, Autos, überall…“ Das wirft kein gutes Licht auf Keller und die CDU. Bei CDU-Kandidat Keller ist zudem erstaunlich, dass er immer, auch am Wahlabend, von der erzkonservativen und  rückwärtsgewandten Sylvia Pantel MdB umgeben ist.

Die FDP-Wähler (Strack-Zimmermann erhielt rund 30.500 Stimmen) werden kaum jemand anderes als den autofreundlichen Keller wählen. Das in Düsseldorf mit dem hohen Anteil an Beratern und Wirtschaftsprüfern FDP-Kandidatin Strack-Zimmermann so viele Stimmen bekam, erstaunt nicht weiter. Allerdings liegen die FDP-Ergebnisse für den Rat mit 9 % auch nicht allzu hoch über den sonstigen Ergebnissen.

Wie die Linke sich entscheidet, ist auch noch nicht klar. Die Piratin Dominique Mirus holte erstaunliche 3000 Stimmen und sitzt mit einem Kollegen im Rat.

Ratswahl – einige Ergebnisse:

Der Stadtrat wurde von 82 auf 90 Sitze aufgestockt.  Die CDU erhielt 33 % und verlor über 3 %, die SPD bekam 18 % und verlor rund 11 % , die Grünen bekamen 24 % und gewannen rund  10 %.  Interessant sind die Ergebnisse in manchen Stadtteilen:

In der teuren Carlstadt hat die FDP über 20 %, die CDU gewinnt mit über 50 %. In Flingern Süd gewinnt der eher zurückhaltende, sehr kompetente Harald Schwenk direkt mit 31 %, die Grünen in 10 von den 41 Stadtteilen die Mehrheit, die SPD nur in einem (Lierenfeld) mit 35 % für Burkhard Albes. Die CDU ist besonders stark in den (zum Wohnen und Leben) teuren Stadtviertel wie Wittlaer, Angermund, Kalkum ( 51 %) oder Oberkassel, Niederkassel und Carlstadt.

In der Innenstadt hat etwa Dietmar Wolf wieder seinen Wahlkreis Friedrichstadt Ost direkt geholt und sogar gegen den Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund gewonnen. Im teuren Unterbilk / Friedrichstadt West unterlag die junge, neu aufgestellte Sabrina Proschmann trotz eines aufwändigen und medial breiten Wahlkampfs der Grünen Clara Gerlach, die seit vieleen Jahren im Rat sitzt. Newcomerin Zanda Martens erhielt in Lichtenbroich immerhin noch knapp 21 Prozent, verlor aber gegen die CDU.  Im Rat sitzen für die SPD-Liste aber immerhin noch die jungen Kandidatinnen Sabrina Proschmann und Julia Uhlig.

 

Die Jungen SPD-Kandidatinnen und der einzige Direkt-Gewinner Burkhard Albes (Mitte) am Wahlabend / Foto © Jo Achim Geschke

 

Bezirksvertretungen

In den Bezirksvertretungen 1 bis 3, (also Innenstadt, Düsseltal, Hafen , Bilk bis Friedrichstadt) haben die Grünen eine Mehrheit, stellen damit die größte Fraktion. In allen anderen Bezirksvertretungen wird die CDU größte Fraktion. Als Beispiel: Im Stadtbezirk10 kommt die AfD auf fast 10 %, im Stadtbezirk  9 auf fast 5 %.

(Autor Jo Achim Geschke)

 Alle Ergebnisse detalliert gibt es unter

http://wep.itk-rheinland.de/vm/prod/kw_2020/05111000/html5/index.html