20.08.2020
OB Kandidat_innen bei der GEW

CDU Kandidat Keller und die Erzkonservativen der CDU : OB Kandidat_innen und Diskussion zur Bildung bei der GEW

Udo Bonn, Stefan Keller Thomas Geisel , Strack-Zimmermann, Stefan Engstfeld bei der GEW Thema Bildung / Foto© Jo Achim Geschke

Vier OB Kandidat_innen zum Thema Bildung, und das bei der Gewerkschaft Erziehung und Bildung GEW – da trafen die Kandidat_innen für das Oberbürgermeisteramt Thomas Geisel SPD, Stefan Keller CDU, Stefan Engstfeld Grüne, Marie-Agnes Strack-Zimmermann FDP, und Udo Bonn „Die Linke“ auf die Praktiker_innen aus den Schulen, heißt: Auf Lehrer_innen und Schulleiter_innen und Sozialarbeiter_innen, da kam Alltagsbezug in die längere Diskussion. Die Frage was Bildung sei, wird meist mit Floskeln beantwortet, dabei ist die Praxis viel aussagekräftiger, etwa wie viel an Schulbau und Schulsanierung getan wurde. Bei Stefan Keller CDU muss man dabei genauer hinschauen: Er trifft sich auch mit Sylvia Pantel, MdB und Mitglied im erzkonservativen „Berliner Kreis“ der CDU, der ein erzkonservatives Familienbild vertritt, nur die Ehe von Mann und Frau sei Familie, so hat es Sylvia Pantel im Papier des Berliner Kreis verfasst. Zudem agiert diese CDU Gruppe gegen die Klimapolitik.

Was Bildung sei, darin war man sich in großer Linie einig: Teilhabe an der Gesellschaft und gesellschaftlichem Leben, bessere Chancen im Beruf  und was der Floskeln mehr sind. Dem stimmte auch Stefan Keller CDU  zu,  der Bildung „als Kitt der Gesellschaft“ sah. Was ja noch nichts über die Inhalte aussagt. Wenn Keller sich allerdings schon bei seiner Nominierung und kürzlich auf einer Radtour mit Sylvia Pantel MdB CDU zeigt und fotografieren lässt, sagt das viel aus auch zum Thema Bildung, Familie und Toleranz und Offenheit in Düsseldorf. Man darf sich schon fragen, warum ein CDU Politiker, der das OB -Amt , also die Verwaltungsspitze einer weltoffenen und toleranten Stadt übernehmen will, sich mit einer erzkonservativen Politikerin ablichten lässt. Er hätte ja auch statt einer MdB nur Bezirkspolitiker_innen und Ratskandidat_innen für die Wahlkampftour nehmen können. Das Foto von Keller und Sylvia Pantel MdB aus der RP kursiert nun vielfach im Netz.

Um zu verdeutlichen, wie sich Floskeln zur Bildung im Zusammenhang mit dem Berliner Kreis relativieren, sei der Verweis auf die Seite des Berliner Kreises und auf das Internetlexikon erlaubt:

Sylvia Pantel schreibt auf der Seite des Berliner Kreises unter „Positionen, Familie“

„Der Begriff Ehe meint dabei einzig und allein die Zweierverbindung von Mann und Frau. Diese staatliche Charakterisierung der Institution Ehe soll nicht verändert werden….“

„d) Familienbildung: Staatliche Leistungen für Eltern sollten an den Besuch von Elternkursen gebunden werden. Die Nichteinhaltung von Kindervorsorgeuntersuchungen muss sanktioniert werden. Es muss gewährleistet sein, dass alle Kinder vor Eintritt in die Schule Deutsch sprechen.

3) Genderideologie und Frühsexualisierung stoppen: Gendermainstreaming muss von den Lehr- und Ausbildungsplänen verschwinden. In der Genderforschung und dem Hochschulbetrieb insgesamt sind rein ideologisch getriebene Wildwüchse konsequent einzudämmen. ….“

Links Berliner Kreis in der CDU:

https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Kreis_in_der_Union

http://berliner-kreis.info/familienpolitik

 

Foto Ausriss facebook screenshot

In der Diskussion bei der GEW formuliert Keller auch Aussagen zur Musikschule. (Warum Konservative aus CDU und FDP ausgerechnet da Thomas Geisel kritisieren, muss man auch verstehen wollen: In Geisels Haushalt wird Musik gemacht, da steht ein Flügel, er spielt gut Querflöte …. Dass er sich gegen eine Musikschule sperrt, kaum denkbar. Allerdings muss ein OB mit Blick auf den Etat auch Ausgaben verantworten.)

Es gab aber auch durchaus interessante Beiträge in der Diskussion:

Eine Lehrerin lobte die Situation in Düsseldorf , kritisierte allerdings, dass so viele Apple-Geräte angeschafft wurden, bei denen es Probleme mit der Kompatibilität etwa mit Word etc gibt. Auch sei die Frage, wie denn die Geräte für Schüler für den digitalen Unterricht verteilt werden sollen, da fehlten ja noch Ausführungsbestimmungen vom Landesministerium.  Ihr stimmte Stefan Engstfeld (Grüne) zu, dass es dafür eine städtische Stelle geben sollte, die die Verteilung organisiert. Keller brachte für die Geräte und die Anwendungen  „open source“ ins Gespräch, aber er habe auch noch keine Lösung.

Deutlich wurde, dass es an Stellen für Sozialarbeiter fehlt, an allen Schulformen und in allen Stadtteilen. Die meistens sind halbe Stellen. Allerdings ist die Frage, wer das finanziert: Schulpolitik ist großenteils Landespolitik, von CDU/ FDP im Land ist da in dieser Frage wohl nichts zu erwarten. In Düsseldorf gibt es bereits ein großes Angebot im Vergleich zu anderen Städten, betonte OB Geisel, Engstfeld präzisierte: an 146 Standorten. Aber eben oft als halbe Stellen.

Strack-Zimmermann, die eine Lanze für Gesamtschulen brach, meinte zuerst, es bestehe „die Gefahr, Kinder an die Netzwelt zu verlieren“, konzedierte allerdings, dass Schule sich heute geändert habe im Zuge der Digitalisierung. 

(Autor Jo Achim Geschke)